Deutschsprachige Hochschulen sind seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 kein sicherer Hort mehr fur judisches Leben. Betroffene schildern, wie die Normalitat von einst zerstort worden ist. Am 7. Oktober 2023 begann fur judische Menschen eine neue Zeitrechnung. Auch jenseits der medial sichtbaren Falle und hasserfullten Demonstrationen auf den Stra en, offentlichkeitswirksamen Besetzungen und Boykottaufrufen an Universitaten veranderte sich die Atmosphare an vielen Hochschulen nachhaltig. Was machte diese Entwicklung mit judischen Menschen, die an diesen Hochschulen tatig sind? Inwiefern wurden ihr berufliches Selbstverstandnis, ihre Position im akademischen Raum und ihre Lebensrealitat beeinflusst? Welche Strategien entwickelten sie im Umgang mit Anfeindungen und institutionellen Unsicherheiten?In uber sechzig Selbstzeugnissen von Mitgliedern des Netzwerks judischer Hochschullehrender in Deutschland, Osterreich und der Schweiz sowie ihres Unterstutzungskreises entwerfen Betroffene ein eindringliches Bild von Zuruckweisung, Ausgrenzung und Vereinsamung in jener Lebenswelt, die sie einst als ihre geistige Heimat betrachtet hatten. Zugleich dokumentiert der Band die Handlungsfahigkeit der Beteiligten unter erschwerten Bedingungen. Das Buch eroffnet damit einen ebenso besturzenden wie aufschlussreichen Blick auf die prekare Lage judischer Hochschulangehoriger hinter den aufgeladenen Diskursen unserer Zeit.