Das Buch Josua ist ein Buch der idealen Anfänge. Es beschreibt die Ankunft sowie die ersten Schritte des Volkes Israel im Verheißenen Land und zeichnet die Transformation des Landes Kanaan in ein "Israel-Land" nach, das Ausdruck und Widerspieglung israelitischer Identität(en) ist. Zentrale Bedeutung kommt dabei im gesamten Buch der Tora zu, der durch Mose übermittelten Weisung JHWHs, die von Josua (und seinen Zeitgenossen) in mustergültiger Weise bewahrt, aktualisiert und sachgerecht zur Anwendung gebracht wird.
Die Erzählung vom Exodus des Volkes Israel aus Ägypten hat das kollektive Gedächtnis Israels zutiefst geprägt. Dieser Grundmythos von der Unterdrückung Israels in Ägypten und der Befreiung aus der Sklaverei mit der Gabe des Landes wird bereits in der biblischen Literatur vielfach aufgegriffen und für die eigene Gegenwart ausgelegt. Der vorliegende Band geht diesen Deutungen nach und zeichnet den Weg der Rezeptionsgeschichte von der Hebräischen Bibel über die Literatur des antiken Judentums bis in die Rezeptionsgeschichte der Gegenwart in Kunst und Musik nach.
Unter den Ritual- und Opfertexten der Tora kommt den Weisungen zu regelmäßig auszuführenden, kommunalen Kulthandlungen eine besondere Bedeutung zu. Matthias Ederer zeigt durch genaue Untersuchung dieser " Tamid -Texte", dass sie zwar "vordergründig" als Anweisungen gestaltet sind, dabei jedoch das "Wie" und "Was" der regelmäßigen Kultvollzüge kaum thematisieren und dafür umso ausführlicher theologische Deutungen entwickeln. Alle in der Tora behandelten regelmäßigen Kulthandlungen verbindet, dass sie - indem sie eine regelmäßige Begegnung Israels mit JHWH und JHWHs mit Israel initiieren - auf je eigene Art und Weise darstellen und erinnern, was Israel vor JHWH ist bzw. sein soll. Sie sind konzipiert als "Reservoir" einer theologisch fundierten Israel-Identität, die in einem regelmäßigen Rhythmus, der zugleich eine spezifische Zeit Israels generiert, im Heiligtum, dem Zentrum Israels, zur Darstellung kommt.