1898, vor hundert Jahren, wurde an der Universität Heidelberg mit Philipp Wolfrum der erste Professor für Musikwissenschaft im Gebiet des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg berufen. Aus diesem Anlaß befassen sich vier Beiträge in diesem Jahrbuch mit der Geschichte der musikwissenschaftlichen Lehre in Baden und Württemberg: Thomas Schipperges mit Heidelberg, Michael Kaufmann mit Karlsruhe, Eckhard John mit der Freiburger Ära Wilibald Gurlitts sowie Gabriela Rothmund-Gaul mit dem Amt des Tübinger Universitätsmusikdirektors. Es folgen Beiträge zu regionalgeschichtlich bedeutenden Komponisten: Hans-Bruno Ernst beschäftigt sich mit Josef Anton Laucher (1737-1813); Clytus Gottwald mit Joseph Huber (1837-1886), der zur selben Zeit wie Wagner eine eigenständige musikdramatische Form entwickelte; Lee A. Rothfarb mit August Halm (1869-1929) sowie Paul Feuchte mit dem Heidelberger Richard Franck. Neben weiteren Aufsätzen enthält der Band, wie stets, die Musikbibliographie Baden-Württemberg, die Rubrik Neue und restaurierte Orgeln" sowie einen umfangreichen Rezensionsteil zu Neuerscheinungen."
Im Mittelpunkt des diesjährigen Jahrbuchs stehen Editionsprobleme am Beispiel der »Denkmäler der Musik in Baden-Württemberg« (Petrus Eder, Manfred Hermann Schmidt, Andreas Traub, Bernhard Mosbauer).
Umfassende Studien zu Leben und Werk von Komponistinnen in Heidelberg und Karlsruhe bilden den diesjährigen Schwerpunkt des Jahrbuches. Weitere Studien befassen sich mit der Stuttgarter Hof- und Kirchenmusik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, mit den Psalterkompositionen Sigmund Hemmels, Johann Jakob Frobergers Cembalosuiten, den Sonaten Johann Sigismund Kussers, Johann Rudolf Zumsteegs Kirchenkantaten sowie der Rezeption der Werke Giuseppe Verdis. Studien zu Johann Samuel Welter und Ignaz Holzbauer ergänzen den biografischen und werkanalytischen Teil. Ergänzt wird der Aufsatzteil durch Rezensionen aktueller Publikationen (Bücher, Noten, Tonträger), die Landesmusikbibliographie, das Verzeichnis »Neue und restaurierte Orgeln« sowie Berichte aus den Musikabteilungen der Landesbibliotheken in Karlsruhe und Stuttgart.
Der deutsche Südwesten war im frühen 19. Jahrhundert Heimat zahlreicher großer Lyriker und hat auch für die Geschichte des Kunstliedes hohe Bedeutung. Den historischen Spuren im heutigen Baden-Württemberg spüren die Autoren des diesjährigen Jahrbuches nach. Von den Wurzeln im 18. Jahrhundert, den Liedern des Dichters und Journalisten Christian Friedrich Daniel Schubart oder den Gesängen von Johann Rudolph Zumsteeg, spannt sich ein weiter Bogen ins 19. Jahrhundert. Neben bekannten Namen der Musik- und Literaturgeschichte wie Conradin Kreutzer, Friedrich Silcher und Annette von Droste-Hülshoff stehen auch solche, die es neu zu entdecken gilt, so Emilie Zumsteeg und Josephine Lang.
Das Jahrbuch 2003 hat zwei Schwerpunkte: zum einen mit Beiträgen u.a. über Meingosus Gaelle, Justin Heinrich Knecht und Samuel Gottlieb Auberlen die Kirchenmusiktradition im 18. und 19. Jahrhundert, zum anderen das Repertoire der Stuttgarte Hofoper im 19. Jahrhundert mit Beiträgen über Berlioz und Auber.