Die faschistische Bewegung in Italien besaß in ihrer Aufstiegs- und Machtergreifungsphase 1921 bis 1924 einen ausgeprägt regionalen Charakter. Trotz ihres nationalen Anspruchs setzte sich die Gesamtbewegung aus einzelnen, weitgehend in sich geschlossenen "Provinzfaschismen" zusammen, deren politisch-soziale Dynamik sich vorwiegend aus örtlichen Konflikten speiste. Roger Engelmann untersucht den Provinzfaschismus am Beispiel der Marmorregion Carrara. Detailliert beschreibt er die politischen und sozialen Grundlagen, die Bedingungen des rasanten Aufstiegs und den Charakter der Herrschaftsbildung einer lokalen faschistischen Bewegung, die durch ihre extreme Gewalttätigkeit und spektakuläre "militärische" Aktionen schon früh nationale Aufmerksamkeit erregte.
Del 66 - Schriftenreihe Der Vierteljahrshefte Für Zeitgeschichte
Annäherung und Abgrenzung prägten in den Jahren zwischen 1956 und 1969 das innerdeutsche Verhältnis. Schritt für Schritt entfernte sich die DDR von ihrer ursprünglichen gesamtdeutschen Strategie zugunsten einer klaren Abgrenzungspolitik. Parallel dazu löste in der Bundesrepublik der Wunsch nach einem "geregelten Nebeneinander" die Hoffnungen auf eine baldige Wiedervereinigung ab. Der Band behandelt zwei wichtige Aspekte dieser Entwicklung: die jahrelangen Bemühungen um einen Dialog zwischen FDP und LDPD und die "Westarbeit" der SED. Die Darstellung beruht nicht nur auf den seit der deutschen Einigung zugänglich gewordenen Quellen, auch Akteure und Zeugen der damaligen Vorgänge wurden systematisch befragt.
Der Aufstand vom 17. Juni 1953 ist eines der Schlüsselereignisse in der deutsch-deutschen Geschichte. Die Beiträge dieses Bandes berichten über den Verlauf des Aufstands und stellen die Bezüge zum kommunistischen Machtbereich her. Die Vorgänge im Repressionsapparat, die Gefangenenbefreiungen am 17. Juni, die Entwicklung der Strafpraxis sowie der Ausbau des repressiven Instrumentariums nach der Erhebung bilden einen weiteren Schwerpunkt des Bandes. Abschließende Beiträge betrachten das »doppelte« Juni-Trauma der Machthaber und der Opposition, die intellektuelle Bewältigung des Geschehens, die Stellung des 17. Juni im nationalen Gedächtnis der alten Bundesrepublik und das Verhältnis von Juni-Aufstand und friedlicher Revolution 1989.
In den frühen 1980er Jahren lockerte die SED ihre kulturpolitischen Vorgaben und schien damit in der DDR Raum für neue formale und inhaltliche Ansätze zu geben. Auch fernab von Berlin nutzten unkonventionelle Nachwuchskünstler ihren vermeintlichen Spielraum. In Gera, einer von Industrie und Verwaltung geprägten Bezirkstadt, entstand mit der Gruppe »Liedehrlich« (u.a. mit Stephan Krawczyk), dem Gesangsduo Görnandt und Rönnefarth und dem örtlichen Puppenspiel ein kleines Zentrum alternativer Popularkultur, das zum Gegenstand eines bemerkenswerten Kulturkonfliktes wurde, in dem die verschiedenen staatlichen Akteure an sehr unterschiedlichen Strängen zogen. Während die zuständigen Kulturpolitiker die Künstler förderten oder zumindest tolerierten, betrachtete die örtliche Staatssicherheit sie von Anfang an als »feindlich-negativ« und bekämpfte sie mit der aufwendigsten Vorgangsart, die ihr zur Verfügung stand, einem »Zentralen Operativen Vorgang«.