Sibylle Schonborn – författare
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Mit Band VII wird die kritische, kommentierte Ausgabe der Gesammelten Schriften Christian Fürchtegott Gellerts abgeschlossen. Der letzte Band wird erstmals den bisher unpublizierten handschriftlichen Nachlass des Autors präsentieren. Mit der Edition dieser Texte werden Materialien zur Biographie des Autors und Gelehrten und darüber hinaus wichtige Dokumente zu literarischen Zentren der Aufklärung in Sachsen sowie zum Literatursystem im 18. Jahrhundert allgemein vorgelegt. Die diarischen und religiösen Aufzeichnungen besitzen als einzigartige Zeugnisse religiöser Seelenanalyse für die Pietismus- und Autobiographieforschung zentrale Relevanz. Die kommentierten Bibliotheksentwürfe, die sich zu einer Enzyklopädie des Wissens und der Wissenschaften des Jahrhunderts zusammenfügen und Rückschlüsse auf Prozesse der kulturellen Gedächtnisbildung während der Aufklärung zulassen, sind kulturgeschichtlich von größter Bedeutung.
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Die Studie über die Tagebuchliteratur im 18. Jahrhundert versteht sich als Beitrag zur Kulturgeschichte unter medien- und mentalitätsgeschichtlichen Aspekten. Dabei kann der Gattung Tagebuch eine zentrale Bedeutung für den allgemeinen Literalisierungs- und Individualisierungsprozeß zugewiesen werden. Die Entstehung und Geschichte der Gattung wird erstmals am Beispiel eingehender Einzelanalysen der Tagebücher von Haller, Gellert, Lavater, La Roche, von der Recke, Goethe, Leisewitz, Lichtenberg u.a. als Entwicklungsprozeß von der Simulation einer mündlichen Dialogsituation (Gespräch mit Gott, dem geliebten alter ego, dem toten Partner), über den inneren Dialog mit dem ''zweiten Ich'' bis hin zu dem an keinen gerichteten, intimen Text beschrieben. An der Entwicklung der Tagebuchliteratur wird deutlich, daß komplexe Individualitätskonzepte an Schrift gekoppelt sind. Von rechtfertigenden Selbstentwürfen gegenüber einem idealen alter ego bis zur selbstreferentiellen, autonomen Selbstkonstitution verläuft die Geschichte der Selbstfiktionalisierungsmodelle in der Tagebuchliteratur. Angetrieben wird dieser Prozeß der Selbsterfindung durch die Reflexion auf den eigenen Körper und den Tod, den die Tagebuchliteratur in radikaler Unmittelbarkeit repräsentiert.
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