Ulrike Anna Bleier – författare
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Tyska, 2016157 kr
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Fünf lange Jahre hat Luise nichts von ihrem Zwillingsbruder Ludwig gehört. Nun ist er wieder da, sitzt am Wohnzimmertisch der Eltern, als wäre nichts geschehen. Und er spricht nur noch indonesisch. Trotz der einst engen Beziehung findet Luise keinen Zugang mehr zu ihm. Die lebensuntüchtige Tagträumerin, die als Schwimmlehrerin etwas Geld verdient, hat ihren klugen Bruder stets bewundert – ungeachtet seiner dunklen Wesenszüge. Kurz nach Ludwigs Rückkehr ins Elternhaus verlässt Luise ihren Heimatort Kollbach und zieht in die Stadt. Doch das Rätsel um ihren Bruder lässt sie nicht los. Als er in die Psychiatrie eingeliefert wird, kehrt Luise noch einmal nach Kollbach zurück. Sie will endlich Klarheit. In der Familie gibt es ein Geheimnis, dem sie auf der Spur ist. Mit ihrem direkten, ungeschönten Stil schafft Ulrike Anna Bleier eine spannungsgeladene Atmosphäre. Michèle Minelli von der Jury der Autorinnenvereinigung lobt die „Eindringlichkeit" und „radikale Ästhetik" des Romans. Der Episodenroman folgt Luises sprunghafter Gedankenwelt, Szenen aus dem Jetzt wechseln sich ab mit Erinnerungen an die Kindheit. Dabei spielt die Reihenfolge, in der die Episoden gelesen werden, keine Rolle. Der Text entwickelt eine regelrechte Sogwirkung, das Geheimnis zwischen den Geschwistern lässt weder Luise noch den Leser los.
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Tyska, 2022183 kr
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Sind wir wirklich miteinander verbunden? Oder glauben wir das nur?Eine kaum überschaubare Menge Figuren tritt in Ulrike Anna Bleiers Roman auf, sie agieren miteinander und oft auch aneinander vorbei. Ihre Wege kreuzen sich oder driften auseinander wie Parallelen auf einer gekrümmten Fläche. Da ist zum Beispiel Carol, die in einem Einkaufszentrum in einen Amoklauf gerät. Oder Irma, die in einer Zeitungsredaktion arbeitet und Angst davor hat, ihren Job zu verlieren. Selim, der für seine Schwester Modell steht. Lars, der sich nur lebendig fühlt, wenn er bei Verabredungen nicht erscheint. Oder Silvana, die auf der Straße häkelt und Teil der Instagram-Aktion einer ehrgeizigen Museumspädagogin wird. Bleiers Figuren halten sich in Einkaufszentren, auf Autobahnen oder in Krankenhäusern auf und sind vor allem mit dem Alltag beschäftigt. Erzählerin ist dabei die Welt selbst. Sie hat keine Hauptfigur und keine Hierarchie der Ereignisse. Ulrike Anna Bleier hat für "Spukhafte Fernwirkung" ein völlig neues Konzept des Erzählens und Lesens entwickelt. Sie verzichtet auf ein einheitliches dramaturgisches Gerüst. Die Ereignisse erscheinen zufällig und beeinflussen sich doch gegenseitig. Das Erzählen in kurzen Episoden, das Ulrike Anna Bleier bereits in ihren beiden Vorgängerromanen praktiziert hat, wird in "Spukhafte Fernwirkung" auf die Spitze getrieben. Die Anordnung der Texte in den einzelnen Kapiteln folgt keiner starren Chronologie, sondern Konzepten wie Livetickern, Kilometerangaben, Jahreszahlen oder Blutdruckwerten. Wie lose Teile in einem Einkaufsbeutel stehen die einzelnen Episoden in einem Zusammenhang – oder auch nicht. Den Leser:innen ist es selbst überlassen, die vielen Verbindungen zu entdecken und die Fäden miteinander zu verknüpfen, das erzeugt Interaktion und Spannung. Der Text besticht außerdem durch Ulrike Anna Bleiers sehr eigene Sprache, ihr lakonisches Erzählen und ihren unterschwelligen Humor.
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Tyska, 2018158 kr
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Elkes Leben beginnt mit einem Desaster. Für Theresa, ihre Mutter, ist die Geburt traumatisch, sie kann die Tochter nicht annehmen und ignoriert sie fortan. Zu allem Überfluss ist Elke rothaarig wie ihr Vater Sepp, den die Mutter eher aus Verzweiflung denn aus Liebe geheiratet hat. Als Elkes kleiner Bruder Markus geboren wird, konzentriert sich die Fürsorge der Mutter ganz auf ihn. Elke leidet still unter ihrer Unsichtbarkeit und verschwindet eines Tages. Den inneren Dialog mit der Mutter setzt sie Zeit ihres Lebens fort. Jahre später nimmt ihr Bruder wieder Kontakt zu Elke auf und trifft sie in Tschechien. Die Lebenswege von Elke und ihrer Mutter, mittlerweile im betagten Alter, werden wieder miteinander verknüpft. Vieles klärt sich, nichts wird entschuldigt. Herausragend ist in diesem Roman einmal mehr Ulrike Anna Bleiers unverwechselbare Art zu erzählen. Mit der Du-Perspektive wählt sie eine ungewöhnliche Form, die die Person Elke und ihr Gefühl, bedeutungslos zu sein, zu fassen versucht. Der Text macht sichtbar, wie sehr die Geschichte unserer Familie in uns eingeschrieben ist. Bushaltestelle ist kein Buch über Heldinnen und Helden. Es ist ein Buch über Menschen, die ein Leben lang darauf warten, gesehen zu werden.