Die wirtschaftliche Entwicklung Europas war uber Jahrhunderte eng mit den politischen Verhaltnissen entlang der Seidenstraen verbunden. Stabilitat oder Konflikte in Zentralasien beeinflussten Handelsstrome, Finanzsysteme und den Zugang zu strategischen Ressourcen weit starker, als europaische Geschichtsbilder lange anerkannten. Dieses Buch untersucht die geopolitische Bedeutung der Seidenstra en fur die globale Ordnung vergangener Jahrhunderte. Reiche entlang der Handelswege kontrollierten den Austausch von Edelmetallen, Luxusgutern und wichtigen Rohstoffen zwischen Ost und West. Veranderungen in Persien, Zentralasien oder China wirkten sich unmittelbar auf Markte und politische Entscheidungen Europas aus. Besonderes Augenmerk gilt der gegenseitigen Abhangigkeit gro er Machtzentren. Handelsunterbrechungen, militarische Expansionen oder dynastische Krisen destabilisierten oft ganze Wirtschaftsregionen weit uber ihren Ursprungsort hinaus. Die Geschichte globaler Macht erscheint dadurch wesentlich starker eurasisch gepragt als national begrenzt. Die Seidenstra en werden hier als geopolitisches Nervensystem einer vernetzten Welt sichtbar, deren Dynamiken bis in die Gegenwart nachwirken.