In Gegensatzen denken - Kurt Marti hinterfragt auf experimentelle Weise die Stellung des Menschen in Gesellschaft, Geschichte und Gegenwart. Kurt Martis Notizen regen zum Nachdenken an. Sie folgen keinem linearen Argumentationsgang, sondern versammeln fragmentarische Gedankensplitter, die gerade die Zwischenbereiche des rational Fassbaren ausloten wollen. Sie argumentieren, fernab von Macht- und Logozentren, von einer randseitigen und daher unabhangigen Position her, die Marti metaphorisch mit der Hintertreppe der Engel umschreibt. Wie der Titel Zartlichkeit und Schmerz nahelegt, geht es nicht darum, Widerspruche zu beseitigen, sondern auszuhalten und aufzuzeigen. Mal mit aphoristischer Zuspitzung, mal mit polemischer Scharfe, dann wieder im poetischen Gleichnis oder mit Zitaten und literarischen Querverweisen. Stets aber reflektiert und mit sprachspielerischer Experimentierfreude. Von Haus aus Theologe spricht Marti ohne dogmatische Scheuklappen gesellschaftsrelevante Themen an, die nach wie vor die Politik bestimmen: patriarchale Strukturen und kapitalistische Systeme, Krieg und Unterdruckung, jegliche Art von Diskriminierung sowie Umwelt- und Klimafragen. Kurt Martis Notizen sind auch nach 45 Jahren aktueller denn je.