Dorte Schmidt – författare
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Christoph Willibald Gluck komponierte in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts ein fast hundert Jahre altes Libretto nahezu unverändert. Anders als in der italienischen Oper, wo Mehrfachvertonungen die Regel waren, sind bei »Armide« Quinaults Text und Lullys ursprüngliche Musik untrennbar miteinander verbunden. Glucks künstlerisches Interesse an Quinaults Text muss vor dem Horizont des spezifisch französischen Theaterlebens verstanden werden: der diskursive Umgang mit »Armide« führt von den dramatischen Parodien der Pariser Sprechbühnen bis hin zu vielfältigen Ausprägungen musikdramatischer Formen im Laufe des 18. Jahrhunderts. Auf diesem Weg lässt sich eine Tradition des künstlerischen Umgangs mit gleichsam kanonisierten musikdramatischen Werken herausarbeiten, die eine neue Perspektive auf Glucks »Armide« und deren Bedeutung im Kontext seiner Pariser Opern eröffnet.
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Als bevorzugter Treffpunkt der musikalischen Avantgarden bieten die Internationalen Ferienkurse fur Neue Musik Darmstadt reichhaltiges Material fur ein historiografisches Verstandnis der komplexen Entwicklungen der 1960er bis 1990er Jahre. Die vielfaltigen, nicht selten unubersichtlich erscheinenden asthetischen Entwurfe werden aus der Perspektive des Diskussions- und Handlungsraums "e;Darmstadt"e; in einen Zusammenhang gebracht. Dieser erschlie t sich uber die gro e Zahl der im Archiv der Ferienkurse vorhandenen Audioquellen, die mundliche Debatten uberliefern und die publizierten Texte als davon zu unterscheidende mediale Ebene hervortreten lassen. Erst vor diesem Hintergrund wird deren wirkmachtige Reprasentationsfunktion analysierbar, die Prozesshaftigkeit der Verstandigung auch uber Begriffsbildungen sichtbar. Und zugleich treten die Figuren hervor, die die Debatten gestalten. Betrachtet man das "e;Ereignis Darmstadt"e; aus einer solchen Perspektive, eroffnet sich gerade fur die bisher weniger erforschten Leitungsperioden von Ernst Thomas (1962 80) und Friedrich Hommel (1981 94) die Moglichkeit, eine Geschichte dieses Zeitraums zu schreiben, die seiner asthetischen Vielfalt nicht mit systematisierender Vereinfachung begegnet.