Gerhard Schonrich – författare
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Mit Handlungsweisen wie Eheschließungen und Staatsgründungen, die selbst neue Realitäten erschaffen, mit Eigenschaften wie Vereinsmitglied oder Vorstandsvorsitzender eines Unternehmens zu sein, die normativ zur Geltung kommen, mit Artefakten wie Banknoten, Uniformen oder Verdienstorden, deren Identitätsbedingungen nicht einfach an ihrem physikalischen Substrat festzumachen sind, stellt die soziale Wirklichkeit eine Herausforderung für jede Ontologie dar. Und dies nicht nur, weil sich die Vielfalt der zu berücksichtigenden Entitäten als kaum übersehbar erweist, sondern vor allem weil unklar ist, welche ontologischen Konzepte - seien sie revisionär oder deskriptiv - hier überhaupt greifen und welcher explanatorische Wert ihren Kategorien zuwächst. In aller Schärfe stellen sich diese Fragen dann für soziale Entitäten wie Institutionen, die über ihre adäquate ontologische Beschreibung hinaus noch nach einer Erklärung für ihre Identität durch alle Veränderungen hindurch - vom Eigenschaftswechsel bis hin zur zeitweisen Unterbrechung ihrer Existenz - verlangen. Die Beiträge des vorliegenden Bandes versuchen dieses bisher vernachlässigte Forschungsgebiet zu erkunden, in seinem Umfang zu vermessen und in Problemzonen aufzuteilen, für die erste Lösungsansätze entwickelt werden.
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Der vorliegende Band diskutiert neben den metaphysischen Aspekten einer Zeittheorie wie Persistenz und Indexikalität auch die soziale bzw. institutionelle Dimension des Zeitbegriffs. Was bedeutet es von einer Entität, sei es einem gewöhnlichen Ding oder einer Institution, zu behaupten, dass es bzw. sie in der Zeit existiert? Was muss eine Zeittheorie leisten, um die Persistenz solcher Entitäten in dynamischen Veränderungsprozessen adäquat zu beschreiben? Und wie ist diese Persistenz zu erklären? Ein zentrales Problem jeder Zeittheorie ist auch die Erklärung des Gegenwartsbezugs. Der indexikalische Ausdruck „jetzt“ zeigt die subjektbezogene Gegenwart seines Benutzers an. Wie erklären wir uns dann den gemeinsam hergestellten Bezug auf eine objektive Gegenwart? Und welcher Typ von Ontologie ist für die Erklärung der Leistungen unseres temporalen Repräsentationssystems adäquat? Die Rekonstruktion zeitontologischer Annahmen weist auch eine formale Dimension auf: Welche Art von Zeitlogik ist ausdrucksstark genug, unsere tempushaltigen Sätze (Tempora verbi und zeit-indexikalische Ausdrücke) zu formalisieren? Wie verhält sich eine prädikatenlogische Zeitlogik zu einer modallogischen?
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