Martin Harbusch – författare
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The reconstruction of psychiatric narratives is currently taking place in multiple contexts, many of which are no longer strictly psychiatric. On the one hand, psychiatric narratives now pervade contemporary public discourses and institutions though advertising, news and internet sites. On the other hand, professionals like social workers, teachers, counsellors, disability advisors, lawyers, nurses and/or health insurance staff dealing with psychiatric narratives are becoming servants of the psychiatric discourse within “troubled person’s industries”. Abstract academic categories get turned into concrete aggrieved victims of these categorisations and academic formulas turned into individual narratives. To receive support it seems, one must be labelled.
The practice-oriented micro-sociological field with which this volume is concerned has only recently begun to integrate itself into public and academic debates regarding medicalisation and the social role of psychiatry. Discussions on the evolution and expansion of official diagnoses within academia, and society in general, frequently overlook the individualised roles of psychiatric diagnoses and the experiences of those involved and affected by these processes, an oversight which this volume seeks to both highlight and address.
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Krankheitskonstruktionen und Krankheitstreiberei
Die Renaissance der soziologischen Psychiatriekritik
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Krankheitskonstruktionen und Krankheitstreiberei
Die Renaissance der soziologischen Psychiatriekritik
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Die Psychiatrie gehörte einmal zu den prominentesten Zielen soziologischer Kritik: Die Subjektivierung und Verkörperlichung von Interaktionsproblemen als objektive „Krankheitszustände“ konnte aussoziologischer Perspektive lange nur als simplistische Verkürzungkomplexer sozialer Prozesse auffallen. Inzwischen sind aus den USA zunehmend kritische Stellungnahmen innerhalb der Psychiatrie aufgekommen. Im vorliegenden Band suchen prominente internationale Diskussionsteilnehmer aus Soziologie, Psychologie und Psychiatrie Auswege aus der biomedizinischen Vereinfachung komplexer sozialer Probleme und Konflikte.
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"Viel zu wenig wird untersucht, wer weshalb mit welchen Medien Wissen auf Reisen schickt oder von Reisen mitbringt und wer auf welche Weise sich fremdes Wissen eigensinnig angeeignet, um das Eigene neu zu interpretieren. Der vorliegende Band ist ein gelungener Versuch, die Wege und Praktiken zu beleuchten, mit denen Menschen dies tun."Jo Reichertz
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Angesichts der Zunahme psychiatrischer Diagnosen und ihrer Ausweitung um neue Krankheitsbilder sowie der Diffusion psychiatrischer Diagnosen in viele gesellschaftliche Bereiche, bewegen wir uns heute in Richtung einer „Gesellschaft der verletzten (und verletzlichen) Seelen“. In Politik, Bildung, Wirtschaft und Medien werden Verhaltensauffälligkeiten, Lebensprobleme und seelisches Leiden zunehmend als Krankheiten gesehen; verstärkt wird dies in den Echokammern der sozialen Medien, die zu einer gesteigerten Selbst-Psychiatrisierung verunsicherter Subjekte führen. Damit haben (neuro-)psychiatrische Krankheitskonzepte eine Deutungshoheit gewonnen, die weit über die psychiatrische, psychosomatische und psychotherapeutische Gesundheitsversorgung hinausgeht. Dies zeigt sich auch in der Aneignung psychiatrischer Konzepte durch nicht-psychiatrische Disziplinen und Berufsgruppen z.B. in Sozialarbeit, Schulen, Unternehmen und im Beratungssektor. Damit beeinflussen psychiatrische Zuschreibungen zusehends auch gesellschaftliche Normierungen von seelischer Gesundheit.
Vor diesem Hintergrund vermessen die Beiträge diese gesellschaftlichen Entwicklungen und die Rolle der psychiatrischen Wissensordnung aus einer soziologischen Perspektive in theoretischen wie empirischen Beiträgen. Die Herausgeber greifen damit eine kritische Debatte um die Psychiatrie erneut auf, die seit der Psychiatriekritik der 1960er- und 1970er-Jahre weitgehend verstummt ist.