Martin Vohler – författare
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In der Kunst der Moderne kommt den vielfältigen Erfahrungen von physischer und psychischer Gewalt eine zentrale Bedeutung zu. Die sich daraus ergebende Frage nach den Formen der Präsentation von Gewalt und nach den Gründen für das Vergnügen an tragischen Gegenständen stellt sich jedoch bereits in der griechischen Klassik in durchaus vergleichbarer Weise. Die Studien des Bandes, die aus einem Symposion des Sonderforschungsbereichs „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ hervorgegangen sind, untersuchen nach einem Blick auf die an Gewalterfahrungen reiche Geschichte des 5. Jahrhunderts v. Chr. das Spannungsfeld von Gewalt und Ästhetik in den Bereichen von Mythos und Kult, Literatur mit dem Schwerpunkt auf der Tragödie und bildender Kunst.
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Aristoteles benutzt den Katharsisbegriff an verschiedenen Stellen seines Werks: in der Fortpflanzungslehre, der Zoologie, der Physik und Politik. In der Poetik wird der Begriff metaphorisch eingesetzt, um den Wirkungszweck der Tragödie zu bestimmen. Welche Modelle von Katharsis waren Aristoteles geläufig, in welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Auf der Grundlage eines ausführlichen Vorworts erstellen die Beiträge von Spezialisten eine Übersicht zu dem jeweiligen Begriffsgebrauch in Biologie, Medizin, Ritus, Kultus, Musiktheorie, Psychologie und Philosophie. Sie bestimmen dabei in einer breit angelegten interdisziplinären Zusammenarbeit die spezifische Funktionsweise der jeweiligen Katharsiskonzeptionen, so dass die Voraussetzungen des poetologischen Begriffs deutlich werden.
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Aristoteles hatte die Erregung von Furcht und Mitleid streng begrenzt auf die kathartische Wirkung der Tragödie bezogen: Weder ein Zuviel noch ein Zuwenig an Leid, an Ethos oder an Nähe ist erlaubt, wenn sich die gewünschte Wirkung einstellen soll. Die Katharsis erweist sich als grenzbezogenes Phänomen. Zum Traditionsbruch kommt es im 19. Jahrhundert: Mit seiner medizinischen Deutung radikalisiert Jacob Bernays den Aspekt der „Abfuhr“. Breuer und Freud erweitern die „kathartische Methode“ auf das Spektrum aller Affekte. Nietzsche hingegen weist die aristotelische Deutung als „Missverständnis“ zurück und stellt die tragische Wirkung in den Dienst des gesteigerten Lebens. Mit der von Bernays, Freud und Nietzsche eingeleiteten Revision erfährt der Begriff der Katharsis neue Aufmerksamkeit, insbesondere der konzeptuelle Anspruch auf Reinigung oder Heilung. In den modernen Künsten und Kunsttheorien kommt es zu einer Pluralisierung der Katharsiskonzeptionen. Welche Reinigungs- und Heilungsansprüche werden erhoben? Erfolgt eine Neuvermessung der Grenzen oder werden diese im Zeichen einer Entgrenzung der Künste aufgegeben? Die Beiträge dieses Sammelbands fragen nach der Reichweite der aristotelischen Katharsiskonzeption, im Verständnis affektbewegender Momente in den modernen Künsten.
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Weder die antike (rhetorische und poetische) noch die moderne (diskurs- und kognitionslinguistische) Theoriebildung hat bislang Irritation und Verunsicherung als Faktoren des Persuasionsprozesses hinreichend reflektiert oder systematisiert. Der vorliegende Band, der sich wesentlich auf die Ergebnisse des im Rahmen des Berliner DFG-Clusters "Languages of Emotion" geförderten Projekts "Rhetorik der Verunsicherung - Muster negativer Affekt-Strategien und ihre persuasive Funktion" gründet, versucht diese Lücke zu schließen. Seine Beiträge untersuchen Irritation und Verunsicherung als kommunikatives Geschehen, das bestehende Gewissheiten erschüttert und gefestigte Meinungen, Einstellungen oder Verhaltensweisen hinterfragt. Im Zentrum steht dabei das rhetorische und poetische Potenzial textuell fassbarer Äußerungsakte, das an einem Spektrum literarischer Gattungen und alltagssprachlicher Textsorten illustriert wird. Durch die rhetorischen und literaturwissenschaftlichen wie auch pädagogischen und linguistischen Fragestellungen wird der Bogen von der persuasionsorientierten Rhetorik zu den literarischen Verfahren der Poetik gespannt.
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Weder die antike (rhetorische und poetische) noch die moderne (diskurs- und kognitionslinguistische) Theoriebildung hat bislang Irritation und Verunsicherung als Faktoren des Persuasionsprozesses hinreichend reflektiert oder systematisiert. Der vorliegende Band, der sich wesentlich auf die Ergebnisse des im Rahmen des Berliner DFG-Clusters "Languages of Emotion" geförderten Projekts "Rhetorik der Verunsicherung - Muster negativer Affekt-Strategien und ihre persuasive Funktion" gründet, versucht diese Lücke zu schließen. Seine Beiträge untersuchen Irritation und Verunsicherung als kommunikatives Geschehen, das bestehende Gewissheiten erschüttert und gefestigte Meinungen, Einstellungen oder Verhaltensweisen hinterfragt. Im Zentrum steht dabei das rhetorische und poetische Potenzial textuell fassbarer Äußerungsakte, das an einem Spektrum literarischer Gattungen und alltagssprachlicher Textsorten illustriert wird. Durch die rhetorischen und literaturwissenschaftlichen wie auch pädagogischen und linguistischen Fragestellungen wird der Bogen von der persuasionsorientierten Rhetorik zu den literarischen Verfahren der Poetik gespannt.
2 290 kr
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Ambiguity in the sense of two or more possible meanings is considered to be a distinctive feature of modern art and literature. It characterizes the "open artwork" (Eco) and is generated by "disruptive tactics" (Wellershoff) and strategies to engender uncertainty. While ambiguity is seen as a "paradigm of modernity" (Bode), there is skepticism regarding its use in the pre-modern era. Older studies were dominated by the conviction that there was a lack of ambiguity in pre-modernity because, according to the rules of the "old rhetoric", ambiguity was seen as an avoidable error (vitium) and a violation of the dictate of clarity (perspicuitas).
The aim of the volume is to re-examine the putative "absence of ambiguity" in the pre-modern era. Is it not possible to find clear examples of deliberately employed (intended) ambiguity in antiquity? Are the oracles and riddles, the Palinode of Stesichoros and Socrates (Phaedrus), the dissoi logoi of rhetoric, the ambiguities of the tragedies all exceptions or do they not indicate a distinct interest in the artistic use of ambiguity?
The presentations of the conference, which will include scholars from various philologies, will combine a recourse to theoretical concepts of intended ambiguity with exemplary analyses from the field of pre-modern art and literature.
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Ambiguity in the sense of two or more possible meanings is considered to be a distinctive feature of modern art and literature. It characterizes the "open artwork" (Eco) and is generated by "disruptive tactics" (Wellershoff) and strategies to engender uncertainty. While ambiguity is seen as a "paradigm of modernity" (Bode), there is skepticism regarding its use in the pre-modern era. Older studies were dominated by the conviction that there was a lack of ambiguity in pre-modernity because, according to the rules of the "old rhetoric", ambiguity was seen as an avoidable error (vitium) and a violation of the dictate of clarity (perspicuitas).
The aim of the volume is to re-examine the putative "absence of ambiguity" in the pre-modern era. Is it not possible to find clear examples of deliberately employed (intended) ambiguity in antiquity? Are the oracles and riddles, the Palinode of Stesichoros and Socrates (Phaedrus), the dissoi logoi of rhetoric, the ambiguities of the tragedies all exceptions or do they not indicate a distinct interest in the artistic use of ambiguity?
The presentations of the conference, which will include scholars from various philologies, will combine a recourse to theoretical concepts of intended ambiguity with exemplary analyses from the field of pre-modern art and literature.
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