Stefan Hajduk – författare
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Nach dem Zweiten Weltkrieg entwarf Johannes Bobrowski mit seinem ''Sarmatien'' einen literarischen Raum, der einen überraschend zeitgemäßen Orientierungspunkt für die Diskussion ''östlicher'' europäischer Grenzräume im 20. und 21. Jahrhundert bietet. In der aktuellen Forschung ist eine Infragestellung von Grenzen durch Begriffe wie Liminalität (Turner), dritter Raum (Bhabha) oder Ähnlichkeit (Bhatti) zu beobachten. In den hier versammelten Beiträgen geht es darum, wie Grenzräume in deutschsprachigen literarischen Texten inszeniert, intermedial reflektiert oder dekonstruiert werden, und welche Rolle das innerhalb eines bestimmten Feldes oder Diskurses spielt. Der Vergleich von Werken Musils, Celans, Sebalds oder Trojanows mit Beispielen aus der russischen, kasachischen, polnischen oder tschechischen Literatur (u.a. Babel, Tokarzcuk, Belger) eröffnet komparatistische und interdisziplinäre Perspektiven auf ein über Europa hinausreichendes Panorama literarischer Grenzräume.In the aftermath of WWII, Johannes Bobrowski''s Sarmatia created a poetic borderland space that challenged existing borders in Central and Eastern Europe – and has continued to do so in the 20th and 21st century. Recent scholarship has increasingly begun to question borders by introducing terms such as liminality (Turner), third space (Bhabha), or similarity (Bhatti). Individual chapters in this volume discuss how borderland spaces are staged, intermedially reflected, or deconstructed in German-language literature, and what impact this might have within a particular field or discourse. By comparing works of Musil, Celan, Sebald or Trojanow with Russian, Kazakh, Polish or Czech literature (e.g. Babel, Tokarczuk, Belger), comparative and interdisciplinary perspectives are opened on a vibrant panorama of literary spaces reaching beyond the borders of Europe.»Als wertvollste Leistung des Bandes kann die tiefere Einbindung Bobrowskis und auch des Mitteleuropadiskurses in aktuelle transnationale und interkulturelle Debatten in der Germanistik betrachtet werden.«– aus: Germanistik in Ireland, 16 (2021), S. 247–249 (Yvonne Zivkovic, Universität Graz)»This volume presents a bilingual (German/English) compendium of the diverse and multifaceted depictions of and theoretical deliberations on the topic of borders from the geopolitical to the linguistic. This comprehensive undertaking has a wide sweep covering mostly German-language literary examples from the last 100 years. […] this is a book that can be highly recommended.«– aus: Jahrbuch »Gegenwartsliteratur«, Band 21 (2022), S. 352-354 (Kathleen E. Thorpe, University of the Witwatersrand)»Der Sammelband wird sowohl das Interesse von BOBROWSKI-Expert*innen, Forscher*innen in den Bereichen Geistesgeschichte, deutschsprachiger Kultur und Geschichte Osteuropas erwecken als auch das von Theoretiker*innen literarischer Hybridität und bietet neben detaillierten und nuancierten Textanalysen auch einen äußerst nützlichen Überblick zu relevanten Grenztheorien an.«– aus: Convivium. Germanistisches Jahrbuch Polen (2022), S. 217-220 (Jenny Watson, University of Edinburgh)
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Wilhelm Dilthey ist aufgrund seiner deskriptiv-analytischen Psychologie – im Zusammenspiel mit seinen wissenschaftstheoretischen und geistesgeschichtlichen Schriften – als ein Vorläufer der wissenschaftlichen Phänomenologie anzusehen. Da er zudem die Begriffe ›Erlebnis‹ und ›Stimmung‹ in seinen literaturgeschichtlichen Studien kategorial entwickelt hat, ist ein Bezug auf sein Werk für die philosophische Grundlagenreflexion unserer Gegenwart unverzichtbar. Das individuelle wie auch das kollektive Erlebnis ist der anthropologisch gemeinsame Nenner einer Theorie und Praxis des Verstehens, wie sie Dilthey in der Perspektivik historischer Vernunft konzipiert. Der Geschichtlichkeit von Individualität entspricht die Unendlichkeit kultureller Variation und beiden entspricht die Differenzialität von Stimmungen. Stimmungen avancieren zu einer Art transitorischem Ort, an dem die Grundbedingungen für spezifische Weltbezüge erkennbar werden – seien diese in einem individuellen oder kollektiven Imaginären verwurzelt. Entsprechend deutet Dilthey Stimmungen in der Literatur- und Philosophiegeschichte als Objektivationen des persönlichen wie des zeitgeschichtlichen Lebens, d.h. als ästhetische Verarbeitungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit einer Epoche.Due to his descriptive-analytical psychology – in combination with his writings on the theory of science and the history of thought – Wilhelm Dilthey is to be regarded as a forerunner of modern scientific phenomenology. Since he also developed the terms lived ''experience'' (Erlebnis) and ''mood'' (Stimmung) categorically in his literary-historical studies, a return to his work is indispensable for the fundamental philosophical reflection of our present. Individual as well as collective experience is the anthropologically common factor of a theory and practice of understanding as conceptualized by Dilthey in the perspective of historical reason. The historicity of individuality corresponds to the infinity of cultural variation and both correspond to the differentiation of moods.