Thorsten Benkel – författare
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Dieser Band versammelt Studien zu den gesellschaftlichen, kulturellen,
rechtlichen, medialen, religiösen, ethischen und medizinischen Aspekten
des Spannungsverhältnisses von Existenz und Nichtexistenz. Vormals als
eindeutig empfundene Grenzziehungen verlieren ihre Konturen. Traditionelle
Wissenssysteme können diesen Zugewinn an Ambivalenz nicht mehr
adäquat abbilden und müssen daher neuen Deutungsmustern Platz machen.
Die sozialwissenschaftliche Analyse zeigt: Wer, wann, wo, wie und warum
tot ist, hängt von den Bezugsfeldern ab, in denen die Diagnose gestellt wird.
Was das Lebensende ist, womit es einher geht, was es auslöst und wie es
beobachtet werden kann, lässt sich in einer ausdifferenzierten Welt also nicht
mehr ,objektiv‘ bestimmen. Dennoch sind Versuche, hier eine unbestechliche
Tatsächlichkeit zu unterstellen, nach wie vor weit verbreitet. Sie basieren
auf hegemonialen Wissensansprüchen, die sich bei näherer Betrachtung
als kultur- und situationsspezifisch herausstellen. In dem vorliegenden Band wird
anhand konkreter Problemkonstellationen veranschaulicht, dass Leben und Tod
weniger antagonistisch sind, als es den Anschein haben mag.
Die Herausgeber
Thorsten Benkel und Matthias Meitzler lehren Soziologie an der Universität Passau.
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Jahrbuch für Tod und Gesellschaft 2026
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Sterben und Tod sind alltägliche Vorkommnisse, die oft als außeralltäglich angesehen werden. Die Verwendung abstrakter Begriffe lässt das Problem der konkreten Lebensbeendigung in die Ferne rücken. Der Tod geht so auf Distanz und kreist dennoch das Leben ein. Seine Präsenz in zeitlicher wie in räumlicher Perspektive ist einerseits ein Effekt normativer Konzepte und andererseits eine Konsequenz sozialer Wandlungsprozesse. Die Beiträge des Bandes gehen aus interdisziplinärer Sicht auf Sterbe- und Todeskontexte wie Friedhof, Hospiz, das Lebensende im Internet, anonyme Bestattung, Heimtiertod sowie auf den Einfluss der Individualisierung ein und zeigen, dass das Image des Todes sich wandelt und neue Sinnzusammenhänge entstehen.
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Die gesellschaftliche Betrachtung von Sterben und Tod entspricht nicht mehr den feststehenden Images, mit denen die entsprechenden Wissensbereiche bis vor wenigen Jahren assoziiert waren. Die vermeintlich ›eindeutigen‹ Bedeutungsebenen dieses Komplexes waren lange Zeit stabil genug, um die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung zu lähmen. Seit einiger Zeit treten nun aber Diskurse hinzu, die die normativen Elemente der Bestattungskultur, den Umgang mit toten Körpern und Kremationsasche, die Etikettierungsleistung ärztlicher Diagnosen und die Bestimmung der Grenze zwischen Leben und Tod (wieder) in Frage stellen. Reale Handlungspraxen und kulturelle Vorgaben befinden sich heute in einem – durchaus produktiven – Spannungsverhältnis.
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Sterben, Tod und Trauer gehören zum Leben dazu. Doch im Alltag wird ihnen nur stellenweise Platz eingeräumt. Doch wie kann dem Leben Sinn verliehen werden, wenn sein Ende verschleiert wird? Eine Soziologie des Lebensendes muss mit dem gesellschaftlichen Wandel Schritt halten, sofern sie ihren Gegenstand nicht aus den Augen verlieren möchte. Wenn sich die sozialen Verhältnisse des Lebens verändern, hat dies auch einen Einfluss auf dessen Ende.Der vorliegende Band versammelt aktuelle Studien, die allesamt im Sinne soziologischer Aufklärung Einblicke in diese Randbereiche der Gesellschaft geben. Denn das Leben vom Ende her zu denken, führt nur zu ergiebigen Einsichten, wenn zunächst das Lebensende in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt wird.Mit Beiträgen vonAnna Bauer | Thorsten Benkel | Patrik Budenz | Ekkehard Coenen | Ursula Engelfried-Rave | Matthias Meitzler | Melanie Pierburg | Daniel Schönefeld | Miriam Sitter | Stephanie Stadelbacher | Tony Walter