Ulrike Kiefer – författare
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Dieses erste Beiheft zum »Language and Culture Atlas of Ashkenazic Jewry« bietet eine Untersuchung, die im Sinne des initiierten Erzählmonologs ''freie'' Sprache zum Gegenstand hat. Die Autorin präsentiert zehn Dokumente des heute gesprochenen Jiddisch und diskutiert die gesamte linguistische und kulturelle Themenbreite, die in ihnen zum Ausdruck kommt. So lassen die Textproben vor unseren Augen die Umrisse des ehemaligen osteuropäischen Sprachgebiets mit seinen regionalsprachlichen Variationen erstehen; ihre Schilderungen bringen gelebten Alltag nahe und machen Geschichte im gesellschaftlichen Umfeld und in der kulturellen Verankerung konkret. Es ist ein Verdient dieser Studie, der Zeitgeschichte und ihren Zeugen Raum zu geben; damit ist der Damm gebrochen, der Sprachwissenschaft und Leben und Leiden der Träger des Jiddischen trennt.
»Nur selten kann man Sprachwissenschaftlern das große Kompliment machen, daß sie bei der Aufarbeitung von Texten deren sämtliche Schichten von den rein inhaltlichen bis zu den rein instrumentellen mit gleicher Sorgfalt dem Leser nahezubringen verstehen. Ulrike Kiefers Buch verdient dieses Kompliment. ... Alles das hat Ulrike Kiefer kommentiert in einer Sprache, die Präzision mit urbaner Verständlichkeit verbindet. Insgesamt: welches bis zum Bersten konkrete Bild sprachlicher Vielfalt, wie unendlich entfernt von der erst dreißig Jahre zurückliegenden intellektualstolzen Beschränkung der damals jungen Generativistik auf die Untersuchung (oder gar das Selbermachen!) von well-formed sentences!« (Erika Timm, Geleitwort)
Gesprochenes Jiddisch
Textzeugen Einer Europäisch-Jüdischen Kultur
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Gegenstand der Beiträge ist der Language and Culture Atlas of Ashkenazic Jewry , ein retrospektives Tonarchiv zum modernen europäischen Jiddisch mit ca. 5000 Stunden gesprochener Sprache. Angeregt wurde die Publikation durch die Aufbereitung der Originalsammlung als elektronisch aufbereitetes Archiv unter eydes.de im Internet.
18 Autoren bearbeiten wissenschaftsgeschichtliche, jiddistische, linguistische, ethnographische, historische und informatische Aspekte des Archivs und seines Umfelds. Unter anderem werden quantitative Methoden der 1960er Jahre aufgegriffen und korpuslinguistisch gewendet. Manche Autoren waren selbst an der Entstehung des Archivs in den 1960er Jahren beteiligt, sie analysieren und bewerten jetzt aus 50-jähriger Distanz. Der Band trägt zur Vergegenwärtigung des Jiddischen in Europa bei und damit zur Neuerkundung des mitteleuropäischen Raumes nach der Wende. Die Beiträge, fokussiert auf das Archiv, sind wissenschaftliche Reflexe auf die Vernichtung der europäischen Heimat des Jiddischen. Es wird sichtbar, wie dieser Verlust in Jiddistik, Linguistik und angrenzenden Kulturwissenschaften seinen Niederschlag gefunden hat und wie Wissenschaftler ihre gesellschaftliche Verantwortung in ihrer Fachdisziplin umsetzen.