Diese interdisziplinare Studie untersucht die Rechtsgeschichte queerer Zugehorigkeit im Spanien des 20. Jahrhunderts auf der Grundlage ihrer Reprasentation in der spanischen Literaturgeschichte (1924-1975). Ihr Ansatz integriert juristische und literaturwissenschaftliche Analysemethoden und verbindet so literarische Untersuchung mit kritischer rechtswissenschaftlicher Betrachtung. In vier close readings wird gezeigt, wie literarische Werke aus den 1920er (Cipriano de Rivas Cherif: Un sueno de la razon), 1930er (Federico Garcia Lorca: El publico, Oda a Walt Whitman), 1970er (Juan Goytisolo: Juan sin tierra) und 2010er Jahren (Trifonia Melibea Obono: La bastarda) zeitgenossische rechtliche Diskurse aufgreifen, reflektieren und transformieren. Die Studie tragt so nicht nur zu einem vertieften Verstandnis der spanischen Rechts- und Kulturgeschichte bei, sie verdeutlicht zugleich die Rolle von Literatur als Ausdrucksraum fur Widerstand und Emanzipation: Indem literarische Texte als Spiegel gesellschaftlicher Konflikte und als Plattform fur rechtliche und ethische Auseinandersetzungen gelesen werden, zeigt die Studie eindrucklich, wie das literarische Feld zum Verstandnis rechtlicher und kultureller Dynamiken beitragen kann.