Als 2023 Hunderttausende Israelis gegen die sogenannte Justizreform der teilweise rechtsextremen Regierung auf die Strae gingen, blendeten die meisten von ihnen aus, dass das, wogegen sie protestierten - Verlust der Gewaltenteilung und demokratischer Grundrechte -, ein paar Kilometer weiter bereits seit Jahrzehnten Realitat ist; betrieben in systematischer Komplizenschaft von staatlicher Willkur und Siedlergewalt, von den israelischen Medien beschwiegen, von der judischen Bevolkerung verdrangt. Doch die Besatzung, davon ist der Menschenrechtsanwalt Michael Sfard u berzeugt, lasst sich nicht von der Realitat der israelischen Gesellschaft abspalten sie formt nicht nur die Unterdru ckten, sondern auch die Unterdru cker. Sie hat eine antidemokratische Ideologie befeuert, die sich zunehmend auch nach innen richtet, um die Grundprinzipien des Rechtsstaats zu demontieren. Die israelische Gesellschaft, so Sfard, muss diese Zusammenhange verstehen und die Besatzung endlich u berwinden. Michael Sfard vertritt regelma ig palastinensische Mandant*innen und Gemeinden vor israelischen Gerichten. Im Kontext dieser Arbeit und im historischen Ruckblick entfaltet er Ursprunge und Folgen der antidemokratischen Entwicklungen: von der geplanten Justizreform 2023 u ber die zunehmenden Angriffe auf die Zivilgesellschaft seit 2010, den Sechstagekrieg 1967 und die Nakba bis hin zum Trauma der Schoah um schlie lich in die Gegenwart zuru ckzukehren: zum Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden verheerenden Krieg in Gaza. Ein beeindruckendes Pladoyer fu r Verstandigung und eine Uberwindung der Gewalt.