Jorn Ahrens – författare
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Das Buch untersucht John Fords klassischen Western „The man who shot Liberty Valance“, der wie kaum ein anderer soziologische Fragestellungen behandelt: Wie ist Gesellschaft möglich? Unter welchen Voraussetzungen findet Vergesellschaftung statt? Der Band zeigt, wie sehr sich kulturelle Artefakte für eine kultursoziologische Analyse der Gesellschaft eignen und Aussagen treffen, die zum Verständnis kultureller Prozesse beitragen können. Zugleich wird deutlich, wie stark Kulturprodukte einerseits selbst in soziale Diskurse und Traditionsbildungen eingebunden sind und sie andererseits ein spezifisches Wissen über Kultur und Gesellschaft beinhalten.
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Der Kampf um Bilder, um ihre Herstellung, ihren Einsatz, ihre Rezeption und Bedeutung reicht sehr weit in die Kulturgeschichte zurück. Von einem „Kampf um Images“ in der Gegenwartsgesellschaft zu sprechen bedeutet indessen, einem soziokulturellen Wandel Rechnung zu tragen, der mit Medienumbrüchen ebenso in Beziehung steht wie mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Neben und mit dem allgemeinen Bedeutungszuwachs visueller Kommunikation spielen die Auseinandersetzungen um Images in ganz verschiedenen Gesellschaftsbereichen eine wichtige Rolle. So kämpfen nicht nur Politiker, sondern auch Konsumprodukte, soziale Bewegungen, Städte, Nationalstaaten, Non-Profit-Organisationen, Kirchen und neuerdings auch Bildungseinrichtungen (z.B. Universitäten) auf verschiedenen (Medien-) Bühnen um „gute“ Images.
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Die Beiträge des vorliegenden Bandes untersuchen Ereignisse, die sich tief in das Gedächtnis der Gesellschaft eingraben und eine kollektiv geteilte kulturelle Erfahrung des Spektakulären anzeigen: sogenannte Amokläufe und School Shootings. Neben der spektakulär inszenierten Tatausgestaltung und ihrer willkürlich erscheinenden Grausamkeit ist an diesen Gewalttaten so frappierend, dass sich reales und mediales Geschehen in einer Weise überblenden, die beides nahezu ununterscheidbar werden lässt. Wenn ein Amoklauf erfolgt, dann scheint er in seiner medial umfangreich aufbereiteten Rezeption einer Dramaturgie zu folgen, wie sie schon seit langem aus fiktionalen Darstellungen bekannt ist. Sämtliche Ästhetiken und Praktiken des Amok sind so gesehen Medienzitate oder, in der Debatte wiederholt aufgerufen, durch Medieninhalte inspiriert und gehen später ihrerseits als neue Zitate in das Darstellungsrepertoire der Taten über. Diese dynamische Wechselwirkung auf ihren unterschiedlichen Ebenen, die Effekte der medialen Präsenz von Amoktaten und ihre sich immer weiter verfestigenden Vermittlungskulturen werden hier aus verschiedenen disziplinären Blickwinkeln analysiert.
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Der Essay von Jörn Ahrens befreit König Ödipus aus den Schablonen seiner psychoanalytischen Deutung und liest das Drama als einen modernen Text über die Möglichkeit von Subjektivität und Gesellschaftsbildung. Im Rückgang auf mythische Bilder, die vom Ursprung des Sozialen erzählen, nähert er sich dem symbolischen Aspekt von Gesellschaft und liefert auf dieser Grundlage eine spannende Reflexion über das Verhältnis von Souveränität, Schuld und Autonomie. Ebenso originell wie unzeitgemäß bestimmt er den Schicksalsbegriff für die Gesellschaftstheorie neu und stellt damit der anhaltenden Diskussion um »Kontingenz« ein mögliches Korrektiv bereit.
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