Ronny Noak – författare
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Mit dem Schlagwort der "e;Weimarer Verhaltnisse"e; verbindet man auch heute noch eine Zeit des Chaos und der Gewalt, die scheinbar zwangslaufig in den Nationalsozialismus mundete. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes zeigen, wie sehr Deutschlands erste Demokratie eine Phase des institutionellen Umbruchs war: Ihre Konflikte waren Ausdruck tiefgreifender Transformationsprozesse, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfassten - nicht nur in Parteien und Parlamenten, sondern auch in Universitaten, Schulen, Kirchen und sogar auf der Strae wurde miteinander gerungen. Nach dem Zusammenbruch alter Gewissheiten musste ein neuer demokratischer Konsens gefunden werden, was nur selten gelang. Dennoch wurden in dieser Zeit durchaus Fortschritte erzielt, die die Grundlage fur ahnliche Transformationsprozesse in der fruhen Bonner Republik bildeten. Auch Deutschlands zweite Demokratie war in ihren Anfangen keine konfliktfreie Zeit, konnte aber auf den Erfahrungen aus der Weimarer Republik aufbauen.
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Als 1919 die Weimarer Verfassung verabschiedet wurde, wurde auch in Bildungsfragen eine ganze Reihe von Kompromissen geschlossen und Weichen fur die Zukunft der Republik gestellt. Das betraf nicht nur die Bildung von Kindern und Jugendlichen im Schulsystem, sondern auch die Erwachsenenbildung, fur die neue Grundlagen geschaffen wurden. Kern dieses ganzheitlichen Ansatzes war das Bewusstsein, dass sich die Republik aktiv um die Bildung der Menschen bemuhen musste, um aus den Untertanen der Monarchie Staatsburgerinnen und Staatsburger der Republik zu machen. Zugleich blieb vor allem die schulische Bildung Landersache und die Frage nach der 'richtigen' Bildung eine weltanschauliche Frage. Das trug zur weiteren Politisierung der Bildungsfragen bei und verhinderte, dass aus den Kompromissen der Anfangsjahre ein Bildungskonsens werden konnte. Die Autorinnen und Autoren zeigen diese Kontroversen, aber auch wichtige Errungenschaften im Bereich der schulischen und politischen Bildung auf. Neben der starken Politisierung der Bildungsfragen und Bildungspolitik wird daran auch deutlich, dass die Republik auch in diesem Bereich keinesfalls eine 'Republik ohne Republikaner' war, und dass viele der Errungenschaften der ersten deutschen Demokratie nach 1945 wieder aufgegriffen wurden.