Diese kulturhistorische Studie ruckt eine zwar bekannte, in ihren konkreten Vollzugen aber wenig erforschte fruhneuzeitliche Praxis in den Fokus: die Unterscheidung der Geister, mit der die Menschen das Ubernaturliche zu prufen versuchten. Im Zentrum steht Maria Columba Schonath (1730-1787), Dominikanerin und Mystikerin in Bamberg, die von ihren Mitschwestern als lebende Heilige verehrt wurde - eine Deutung, die Furstbischof und Ordensleitung entschieden zuruckwiesen. Die prazise Rekonstruktion dieses Falls macht die vielfaltigen religiosen, geschlechtlichen, medizinischen und politischen Bezuge sichtbar, die sich ergaben, wenn die Unterscheidung der Geister tatsachlich zur Anwendung kam. Die Untersuchung zeigt zugleich die Nahe dieser Praxis zu den Kanonisationsverfahren der Amtskirche.