Kinder zahlen zu den ersten Opfern eines Krieges, doch konnen sie auch selbst wirkmachtige Akteure sein. Sie sind ein wesentlicher Teil der asymmetrischen Kriegsgesellschaften und pragen das Zusammenleben sowohl kurz- wie auch langfristig. Yuliya von Saal nimmt die uberraschend vielfaltigen Erfahrungen von sowjetischen Kindern in der NS-besetzten BSSR und in der unmittelbaren Nachkriegszeit in den Blick und zeigt, dass Minderjahrige keineswegs nur eine randstandige Opfergruppe des Vernichtungskrieges waren. Je nach Alter, Geschlecht und NS-"e;Rassenhierarchie"e; partizipierten Kinder am Kriegsgeschehen. Kinder wurden fruh erwachsen, sie entdeckten Handlungsspielraume und entwickelten Uberlebensstrategien, uber die Erwachsene oft nicht verfugten. Zugleich verdeutlicht die Autorin, dass es keine homogene sowjetische Kriegskindheit gab und wie wichtig es ist, Kinder als Subjekte mit eigenen Verhaltensweisen in unser Verstandnis von Vergangenheit zu integrieren.