Soziale Medien haben sich bis in die hintersten Winkel unseres Lebens ausgebreitet. Sie strukturieren Informationsflusse, ordnen Aufmerksamkeit und tragen zur Ausbildung einer hochreaktiven Offentlichkeit bei. Diese Reaktionsmaschine produziert Falschnachrichten, schurt Hass und bringt Menschen dazu, einander offentlich anzugreifen, zu beleidigen und Tribunale zu errichten. Rupert Gaderer zeigt an literarischen Texten, Theaterarbeiten und essayistischen Interventionen, aber auch an Gerichtsprozessen, Ratgebern und Shitstorm-Simulationen, wie digitale Konflikte asthetisch reflektiert, reproduziert oder kritisiert werden: in paranoischen Beobachtungsprotokollen, in Gegenangriffen auf Hater, in poetischen Formen digitaler Beleidigung, in literarischer Hassrede auf der Buhne und in Analysen rechter Ideologien. Damit skizziert dieses Buch nicht zuletzt asthetische Strategien der Gegenwehr wider die destruktiven Dynamiken sozialer Medien - jenseits resignativer Klagen uber die Verrohung der Debattenkultur und illusorischer Forderungen nach einer volligen Entnetzung oder einer durchgreifenden juristischen Bandigung der Plattformen.