Zur Sache. Der Essay – serie
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Del 2 - Zur Sache. Der Essay
Transformative Strafrechtskritik
Überlegungen im Anschluss an Nietzsches Vision einer neuen Gerechtigkeit
Häftad, Tyska, 2023
255 kr
Tillfälligt slut
Soziale Bewegungen des Abolitionismus und der Transformativen Gerechtigkeit fordern einen neuen Umgang mit sozialer Devianz und Gewalt jenseits von gegenwärtigen Trends der Strafverschärfung und Abschreckung. Als einer der wortgewandtesten und scharfsinnigsten Analytiker von strafrechtlicher Punitivität gilt Friedrich Nietzsche. Er kritisiert die Strafe als sublimierten Gewalttrieb, als Unterwerfungsgestus und als Mechanismus der Entfremdung von der Gesellschaft. Nietzsche nimmt hiermit viele Argumente der modernen Strafrechtskritik des 20. Jahrhunderts vorweg. In diesem Essay zeigt Franziska Dübgen die Aktualität seiner Argumente und untersucht Ansatzpunkte eines alternativen Umgangs mit Verbrechen bei Nietzsche. Im Dialog mit feministischen und race-kritischen Ansätzen eruiert die Autorin das Potential eines machtkritischen Ansatzes in der Rechtsphilosophie und skizziert eine Gerechtigkeitskonzeption, die nicht länger auf Vergeltung basiert.
255 kr
Tillfälligt slut
Nach vorherrschendem Verständnis ist Ethik philosophische Reflexion auf Moral. Als normative Ethik beansprucht sie, moralische Fragen mit philosophischen Argumenten beantworten zu können. Darin liegt eine Diskrepanz zwischen dem Gegenstand und der Art der ethischen Reflexion, an der sich immer wieder Kritik entzündet hat. In diesem Essay geht Johannes Fischer der Frage nach, wie es zu dieser Auffassung von Ethik kommen konnte. Dazu untersucht er den Zusammenhang zwischen Aufklärung und Ethik. Aufklärung besteht in der Überwindung der präsenzorientierten Wirklichkeitsauffassung in Mythos und Religion dadurch, dass der Standpunkt des urteilenden Denkens eingenommen wird. Das Leben vollzieht sich auch für den aufgeklärten Menschen unter den kontingenten Bedingungen von erlebter Wirklichkeitspräsenz. Ethik, so die These, ist der Versuch, im urteilenden Denken Orientierung zu gewinnen für das Leben innerhalb von Wirklichkeitspräsenz. Dies verdeutlicht der Autor einerseits für die antike Tugendethik und andererseits für die moderne Ethik. Letztere ist aus Bedingungen hervorgegangen, die auf das Judentum und Christentum zurückgehen. Wie der Autor zeigt, erhält sich in der Moral der Moderne die Präsenzorientierung der jüdisch-christlichen Religion in säkularisierter Gestalt. Die erwähnte Diskrepanz ist so begriffen die Diskrepanz zwischen der Präsenzorientierung der Moral und dem urteilenden Denken der Philosophie. Die Zukunft der Ethik liegt in der Überwindung dieser Diskrepanz, das heißt im Verzicht darauf, moralische Fragen im urteilenden Denken beantworten zu wollen. Die Alternative besteht in einer Ethik, die die Gründe des Handelns im Präsenzzusammenhang der Lebenswelt aufsucht.
190 kr
Skickas inom 3-6 vardagar
Politische Erfolge wie Misserfolge werden immer wieder auf Kommunikation zurückgeführt - Politiker konnten Wählerinnen entweder nicht "abholen" oder hatten doch eine überzeugende Kampagne. Dank moderner Massenmedien kommt es zunehmend auf die Präsentation von Politik an; Wähler entscheiden nicht länger nach stabilen und erwartbaren Präferenzen, sondern reagieren spontan auf Debatten, Inszenierungen und auf die Mediennutzung von Kandidaten.Unter den Bedingungen digital verstärkter Kommunikation haben sich nun die Möglichkeiten und Chancen zu Teilhabe und Mitwirkung an Debatten vergrößert, wodurch jedoch auch die Wahrscheinlichkeit von Skandalisierung und Empörung gestiegen ist. Damit stellt sich die Frage, wie politische und öffentliche Akteure in dieser Gemengelage kommunizieren können und sollen. Jeder, der eine Gruppe zu repräsentieren beansprucht, steht derzeit vor ähnlichen Herausforderungen: Wie lassen sich Überzeugungen erklären und absichern? Wie lässt sich verbindlich sprechen, wenn man dank des Kreislaufs von Reaktion und Kritikum die Anfechtbarkeit eigener Ansichten weiß?Astrid Séville und Julian Müller fragen daher nach den Möglichkeiten öffentlicher Ansprache. In Anlehnung an Erving Goffmans Begriff der Redeweisen richten sie den Blick auf heutige Formen öffentlicher Rede in Deutschland. Dabei stehen nicht die radikalen Ränder, sondern die Neuverhandlungen des politisch Etablierten, Bürgerlichen und Demokratischen im Zentrum der Aufmerksamkeit – von Robert Habeck und Carolin Emcke bis hin zu Luisa Neubauer oder Lars Eidinger. In den einzelnen Kapiteln wird anhand ausgewählter Beispiele untersucht, wie die angefochtene "Mitte" kommuniziert. Dabei werden verschiedene Varianten öffentlichen Sprechens skizziert.
Del 3 - Zur Sache. Der Essay
Illusionen der Unmittelbarkeit
Über einen missverstandenen Modus der Lebenswelt
Häftad, Tyska, 2023
255 kr
Tillfälligt slut
Muss eine realistische Philosophie bestreiten, dass es nur mediale, vermittelte Weltzugänge gibt? Ingolf U. Dalferth vertritt die These, dass die Berufung auf epistemische Unmittelbarkeit als Realitätsindikator im Weltverhältnis der Menschen ein Missverständnis des lebensweltlichen Grundmodus der Selbstverständlichkeit ist. Vermittlung ist nicht das Gegenprogramm des Realismus, sondern die Weise, in der wir auf die Wirklichkeit bezogen sind, zu der wir gehören. Was selbstverständlich ist, halten wir für unmittelbar gewiss. Es scheint ja keiner Begründung zu bedürfen. Doch diese Gleichsetzung von Selbstverständlichkeit mit Unmittelbarkeit ist ein Irrtum. Wo Unmittelbarkeit im Wirklichkeitszugang gegen Vermittlung ausgespielt wird, wird das lebensweltlich Selbstverständliche mit dem verwechselt, was uns unmittelbar und direkt gegeben ist. Das wird in der kritischen Diskussion wichtiger Konzepte der Unmittelbarkeit sowie am Beispiel der Phänomenologie der Lebenswelt in Auseinandersetzung mit Edmund Husserl und Hans Blumenberg gezeigt.
275 kr
Skickas inom 3-6 vardagar
Für die Zukunft sollten wir uns schon deshalb interessieren, weil wir den Rest unseres Lebens in ihr verbringen werden. Dabei verhalten wir uns schon immer auf bestimmte Weise zur Zukunft. Zudem bewerten wir angenommene Zukünfte, wobei diese Wertungen zurückwirken auf die Gegenwart, in der wir bereits in Vorfreude, Hoffnung, Erwartung oder in Unsicherheit, gar Resignation miteinander leben. Bestimmte Szenarien der Zukunft verlangen von uns eine konkrete Haltung ab, sodass wir uns vorbereiten müssen, aber auch das Wohl kommender Generationen zu bedenken haben. Und einige umfassendere Lebensorientierungen wiederum enthalten bereits recht konkrete Vorstellungen davon, wie wir uns zur Zukunft verhalten sollten. Hartmut von Sass geht diesen vier Ebenen des faktischen, evaluativen, normativen und implikativen Zukunftsbezugs genauer nach, um schließlich zu fragen, welche Haltungen zur Zukunft und sie begleitende Emotionen der christliche Glauben bereits mit sich führt - und dies im Angesicht konkreter Herausforderungen der Gegenwart, deren Zukunft fundamental unsicher geworden ist. Dieses Unternehmen aber trifft auf einen theologischen Vorbehalt gegenüber den Fragen nach letzten und vorletzten Dingen. Deshalb ist die allgemeine und dann aufs Theologische bezogene Frage nach der Zukunft mit einer Rückgewinnung eschatologischer Interessen verbunden. Dabei spricht sich der Autor zunächst gegen die beiden herkömmlichen Ansätze aus, die die christlichen Bilder der Zukunft entweder realistisch als ausstehende Tatsachen verstehen oder die sie depotenzieren, indem alles zum reinen oder unreinen Symbol erklärt wird. Die Wahrheitsmomente beider Zugänge werden aufgenommen, während ihre Untiefen umschifft werden, indem die Eschatologie in einen praxistheoretischen Rahmen eingezeichnet wird. Hartmut von Sass fragt folglich danach, wie Zukunft als ewiges Leben, Gottes Reich und Auferstehung in ein neues Leben durch und in den Praktiken des Glaubens überhaupt erst entsteht. Dabei wird sichtbar, welch starke Annahmen der Glaube in dieser Hinsicht mit sich führt, wenn Verzweiflung als Form der „Sünde", Hoffnung aber als eines der tugendhaften Elemente eben dieses Glaubens nahegelegt wird. Gegen Ende ist zu fragen, in welchem Sinn dieser zukunftsträchtige - was für eine Metapher! - Glaube mit entsprechenden politischen Anliegen einhergehen könnte. Ebenso ist zu erwägen, wie sich Gott und Zukunft zueinander verhalten, wenn wirklich Ernst gemacht wird mit der gut begründeten Vermutung, dass Gott selbst eine offene, noch mögliche und also nicht feststehende Zukunft hat.