Kult und Handwerksproduktion stellen zwei zentrale und eng miteinander verflochtene Dimensionen antiker Gesellschaften dar. Obwohl sie häufig getrennt voneinander untersucht werden, ermöglicht ihr Zusammenspiel grundlegende Einsichten in die Art und Weise, wie Gemeinschaften soziale Identitäten formten und kulturelle Bedeutung erzeugten. Die parallele Analyse von Kult und Handwerk zeigt, wie rituelle Praktiken und technologisches Wissen einander beeinflussten, und verdeutlicht, wie Objekte hergestellt, zirkuliert und innerhalb ihrer weiteren sozialen Kontexte mit Bedeutung versehen wurden. Die Erforschung dieses Verhältnisses ist jedoch mit erheblichen Herausforderungen verbunden, da sowohl rituelle Aktivitäten als auch handwerkliche Praktiken archäologisch oftmals schwer nachzuweisen sind, wodurch ihre Überschneidungen bislang unterbelichtet blieben oder lediglich randständig behandelt wurden. Die Beiträger dieses Bandes schließen diese Forschungslücken, indem sie Kult und Handwerksproduktion als wechselseitig konstitutive Bereiche im östlichen Mittelmeerraum, in der Levante, in Ägypten und darüber hinaus im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. untersuchen. Durch die Integration archäologischer und textlicher Studien mit theoretischen Perspektiven wird neu bestimmt, wie Ritual und Produktion in umfassendere ökonomische, soziale und ideologische Systeme eingebettet waren. Über das restriktive Paradigma sogenannter »sakraler Ökonomien« hinausgehend, heben die Beiträge die tiefgreifende Verschränkung von Güterproduktion und ritueller Praxis hervor - Zusammenhänge, die durch zeitliche Distanz und disziplinäre Grenzziehungen häufig verdeckt sind.