Zorn Gottes bei Paulus
Untersuchungen zu einem Motiv im Kontext
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Wenn das antike Judentum vom "e;Zorn Gottes"e; spricht, ist das kein naiver Anthropopathismus, sondern ein theologisch v.a. seit den Ereignissen von 587/6 v.Chr. intensiv reflektiertes Motiv: Der Zorn Gottes ist gerade keine gottliche Emotion in Analogie zu menschlichem Zorn, sondern Gottes kollektive und todliche Strafe fur schwerste menschliche Vergehen. Paulus nimmt diese Tradition auf, spitzt sie eschatologisch zu und richtet sie nach Auen: Der gottliche Zorn bezeichnet bei ihm durchweg die endzeitliche Vernichtung der Outgroup und bildet damit zugleich den Horizont der Rettung der Christusglaubigen. Paulus verwendet das Motiv im 1. Thessalonicherbrief und im Romerbrief und behalt diese zentralen Charakteristika jeweils bei. Der grote Unterschied liegt im Ergehen Israels: Wahrend 1Thess 2,16 dem nicht-christusglaubigen Judentum ankundigt, dass der gottliche Zorn es ebenfalls ereilen werde, postuliert der Apostel in Rom 9-11 schlielich die Rettung von "e;ganz Israel"e; (Rom 11,26).