Dieses Buch bietet einen Uberblick uber rhetorische Strategien, in zentralen literarischen Streitigkeiten des 18. Jahrhunderts die Geltung der Literatur und ihrer Regeln mithilfe von Ruckgriffen auf das Recht zu behaupten. Es zeigt auf, wie die Autoren in vielfaltiger Weise das Recht, seine Prinzipien und Strukturen sowie rechtsbezogene Diskurse aufrufen, um Begrundungsprobleme der zeitgenossischen Poetik und Literaturkritik uberzeugend zu bearbeiten. Der Begriff der Geltung spielt bislang in der literaturwissenschaftlichen Forschung nur eine geringe Rolle und ist in verstarktem Mae nur in der Mediavistik herangezogen worden. Unter Ruckgriff auf rechtswissenschaftliche Forschung wird der Begriff auf die Literatur hin konturiert. Zentral ist dabei eine Annahme rechtswissenschaftlicher Forschung, wonach Rechtsgeltung ein Produkt interaktionaler Austauschprozesse ist, an deren gelungenem Fortfuhren alle Beteiligten ihren Anteil besitzen. Je uberzeugender in diesem Diskurs die Argumente sind, desto eher stoen sie auf Anerkennung. Mageblich ist deshalb die Rhetorik als diejenige Disziplin, die sich ganz grundlegend damit auseinandersetzt, was an einer Sache uberzeugend ist. Die Relevanz von Rechtsmetaphoriken fur die Literaturkritik ist in der Forschung immer wieder betont worden, umfassende Untersuchungen fehlen bislang. Dieser Forschungslucke widmet sich die vorliegende Studie mit Blick auf die zentralen Anfange der Literaturkritik im 18. Jahrhundert und der pragenden Rolle, die Poetiken in dieser Zeit spielen. In der Untersuchung werden der deutsch-schweizerische Literaturstreit zwischen Johann Christoph Gottsched, Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger, Gotthold Ephraim Lessings Auseinandersetzung mit Johann Melchior Goeze im Fragmentenstreit sowie Friedrich Schillers und Gottfried August Burgers Streit um die Volkspoesie daraufhin betrachtet, wie die Kontrahenten die normativen Vorgaben, die sie darin formulieren, uberzeugend zu vermitteln suchen. Erganzend herangezogen wird zudem Gotthold Ephraim Lessings Hamburgische Dramaturgie als zentrales Werk mit Blick auf die Entwicklung der Literaturkritik.