Beskrivning
Im Zentrum dieser Arbeit über Adalbert Stifters medienbewussten Realismus steht ein weiter Medienbegriff, der Kulturtechniken, Verfahren, Infrastrukturen, Objekte, Akteure und symbolische Praktiken umfasst und Kommunikation als grundsätzlich vermittelten, störanfälligen Prozess lesbar macht.Stifters Texte folgen einer Poetik des Kontakts, in der der Kanal als Dritter im Kommunikationsgeschehen hervortritt: nicht als neutrales Bindeglied, sondern als Instanz, die Verständigung zugleich ermöglicht und unterläuft. Medien treten dort hervor, wo Kommunikation bereits brüchig ist – und machen gerade in ihrer vermittelnden Funktion die Fragilität jeder Verbindung sichtbar. Vermittlung erscheint so nicht als Lösung, sondern als Problem, das nur um den Preis immer neuer, komplexerer Anordnungen bearbeitet werden kann.Der so konturierte Realismus insistiert auf der wirklichkeitserzeugenden Kraft medialer Prozesse, ohne deren notwendige Setzungen zu verdecken. Realität ist hier kein Gegebenes, sondern Effekt prekärer Vermittlung. Am Ende steht daher kein stabiler Medienbegriff, sondern eine Verschiebung der Perspektive: Zu lesen sind jeweils und immer singuläre Konstellationen, in denen Medien, Dinge und Praktiken situativ zu Trägern von Kommunikation werden.