Kants Hybris
Anmerkungen zur "e;Kritik der reinen Vernunft"e;
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Die Auseinandersetzung mit der Kritik der reinen Vernunft ist auch nach fast einem Vierteljahrtausend fur alle zentralen Theoriestucke kontrovers geblieben. Dieser irritierende Sachverhalt bildet den Ausgangspunkt von Joachim Vahlands kritischer Studie, die - auch im Widerspruch zu Kants Selbstverstandnis - in historischer wie systematischer Perspektive der Frage nachgeht, inwieweit die Ausnahmestellung der Kritik sachlich begrundet ist. Wahrend Kant selbst seit der Gottinger Rezension fur seine Transzendentalphilosophie eine realistische Grundlegung reklamiert, verlauft die in der Kritik entwickelte Theorie faktisch in entgegengesetzter Richtung hin zu einer monadischen Selbstgebarung der Vernunft, ohne durch Erfahrung geschwangert zu sein (B 793). Kants Kommentierungen seines Projekts haben entscheidend zu dessen disparater Rezeption beigetragen. Der seit Descartes nahezu verbindlich gewordene Ausgang vom Bewusstsein und seinen Vorstellungen erzwingt einen Wahrheitsbegriff, dessen Legitimation wesentlich auf Zustimmung, d. h. auf einem Akt der Anerkennung, beruht. Damit kommt ein letztlich nicht kontrollierbares dezisionistisches Moment ins Spiel und in der Folge eine Selbstaufhebung des Apriorismus, womit der Meinung (doxa) der Rang einer letztverbindlichen Urteilsinstanz zuerkannt wird angesichts gegenwartiger Diskurslagen eine beunruhigende Konsequenz.