Friedrich Schleiermachers christliche Sittenlehre wird vielfach als Kulturtheorie gedeutet, zumal alle wesentlichen Lebensbereiche im Bezug zum Christentum untersucht werden. Dabei geht Schleiermacher auerst systematisch vor: So beruht seine Kulturtheorie des Christentums auf einem handlungstheoretischen Fundament (und ist nach drei Typen des Handelns unterteilt). Folglich finden sich reichlich Material und zugleich Begrifflichkeiten sowie systematische Zusammenhange zur weiteren Reflexion und Erforschung. Mithin beschaftigen sich viele Beitrage des Bandes mit Interpretationen der christlichen Sittenlehre - auch vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung der Moderne. Dass Schleiermachers theologische Ethik es wert ist, aus verschiedenen Blickwinkeln erneut interpretiert zu werden, rechtfertigt die Entstehung einer neuen Edition. 1843 hatte sein Schuler Ludwig Jonas eine verdienstvolle, aber nach heutigen Editionsstandards nicht mehr geeignete Publikation der Vorlesungsmanuskripte Schleiermachers und der studentischen Nachschriften in kompilierter Form herausgegeben. In Zukunft werden die Manuskripte und alle uberlieferten studentischen Nachschriften digital und historisch-kritisch erfasst zuganglich sein. Uberlegungen zur neuen Edition eroffnen daher den Band. Da Schleiermacher mehrere Disziplinen in einem systematischen Zusammenhang beforschte und unterrichtete, sind viele Anhaltspunkte fur Kontextualisierungen gegeben. Einige der Aufsatze stellen die christliche Sittenlehre mit anderen Disziplinen aus Schleiermachers Werk ins Verhaltnis, andere gehen daruber hinaus und stellen auch einen Bezug zu aktuellen Themen her.