Ein Viertel der 211 Lehrsatze, aus denen die Elementatio theologica des Proklos besteht, ist ausdrucklich der Lehre der Gotter gewidmet. Proklos entwickelt sie von prop. 113 bis 165, d.h. wesentlich in dem Textteil, der im vorliegenden Band den Gegenstand der Auslegung Bertholds von Moosburg bildet. Von der philosophischen Beweisbarkeit der Trinitat ausgehend, untersucht Berthold die heidnische Tradition einer Urweisheit, die er bei Hermes Trismegistos und Proklos nachweist. Im Kommentar zur prop. 129 artikuliert er seine Lehre vom homo divinus , die moglicherweise eine stillschweigende Stellungnahme zu Eckhart und zu seiner Verurteilung bildet. Berthold bietet ferner zur Frage nach den neuplatonischen Gottern Antworten, die weit uber diejenigen des Thomas von Aquin ( Gotter als falsche Hypostasierung gottlicher Vollkommenheiten) hinausgehen. Die Gotter oder Henaden sind die metaphysischen Prinzipien, nach denen die Bestimmung des ersten Hervorgebrachten erfolgt. Sie entsprechen den per-se-Vollkommenheiten des Dionysius Areopagita, doch sind sie nach Berthold nicht mit dem Gott der Gute identisch, sondern als causae primordiales von ihm verschieden.