Demokratie braucht kontinuierliche Reflexion.Demokratien sind stets multiplen Herausforderungen ausgesetzt. Angesichts der Auswirkungen globaler Krisen geraten demokratische Systeme verstärkt unter Druck. Der Handlungsbedarf für eine resiliente Demokratie, die aus sich heraus demokratiefeindliche Tendenzen abwehren kann, wird größer. In diesem interdisziplinär angelegten Band treffen fachwissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Demokratisierungsprozessen auf Praxiserfahrungen aus der historisch-politischen Bildungsarbeit. Dabei werden unter anderem historische Zäsuren im demokratischen System sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse analysiert. Der Transfer dieser Themen in die schulische und außerschulische Bildung wird durch eine multiperspektivische Betrachtung verschiedener Vermittlungsangebote und -strategien reflektiert.Aus dem InhaltThomas Schaarschmidt: Ein Masterplan zur stabilen Demokratie? Michele Barricelli: Demokratiegeschichte als Aufgabe der historisch-politischen BildungTheresa Bechtel: Demokratiebildung in der Schule am Beispiel von Demokratie und Nation Oliver Rathkolb: Plädoyer für mehr zeithistorische und neue Formen der Demokratiebildung
Der Historiker und Politiker Helmut Lippelt (1932-2018) erlebte die Gründung der Partei »Bündnis 90/Die Grünen« mit und dokumentierte diese. Nun liegen seine Erinnerungen aus dieser Zeit vor.Es gibt nicht viele Zeitzeugentexte über die Gründungsphase der Grünen: Viele sind dabei gewesen, aber nur wenige besaßen die Geistesgegenwart und verfügten zugleich über die intellektuelle Brillanz, die schwierigen Zusammenhänge Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre glaubwürdig beschreiben und einordnen zu können. Helmut Lippelt hat das getan: Als Historiker brachte er das notwendige Handwerkszeug, als Politiker die Leidenschaft mit, die verschiedenen Strömungen und Konflikte erklären zu wollen.Lippelt interessierten vor allem die Motive, die eine große Zahl von Menschen zu einem völlig neuen politischen Engagement bewogen; als die Zeit gekommen war, erkannte er, dass die entstandene Bewegung sich zu einer Partei formen musste. Lippelts Erinnerungen »Wir wollen fortschreiten zur Gründung einer Bundespartei« bieten jede Menge Hintergrundinformationen über die Jahre des Aufstiegs der Grünen in Deutschland.Zusätzlich ordnen die beiden Wissenschaftler:innen Abelina Junge und Detlef Schmiechen-Ackermann in einem längeren Essay Lippelts prägende Rolle bei diesem Prozess in die biografischen und zeithistorischen Zusammenhänge ein. Dabei wird auch deutlich, wie wichtig Lippelt etwa für die Bildung einer eigenständigen Osteuropa-Politik der Grünen war.