Der Kompromiss hat keinen guten Ruf. Vielen gilt er als Zeichen von Schwache: als Verrat an Prinzipien, als kleinster gemeinsamer Nenner politischer Mutlosigkeit. In Zeiten zugespitzter Konflikte scheint nur noch eines zu zahlen & die eigene Wahrheit. Doch freie Gesellschaften leben nicht von der Durchsetzung letzter Wahrheiten. Sie leben vom Kompromiss. In seinem pointierten Essay zeigt der Okonom, Theologe und Wirtschaftsethiker Nils Goldschmidt, warum der Kompromiss keine Notlosung ist, sondern eine der wichtigsten Kulturtechniken freier Gesellschaften. Wo unterschiedliche Interessen, Werte und Weltanschauungen aufeinandertreffen, ermoglicht erst der Kompromiss ein Zusammenleben in Freiheit. Mit analytischer Scharfe, historischem Blick und spurbarer Lust am Argument verbindet Goldschmidt okonomische Einsichten, philosophische Reflexionen und Beobachtungen aus der politischen Praxis. Entstanden ist ein kluges, unterhaltsames und uberraschend optimistisches Buch uber eine Tugend, die unsere Gesellschaft dringend neu entdecken muss. Denn nicht die Wahrheit steht dem Kompromiss im Weg & sondern der Glaube, sie bereits zu besitzen.