Wenn man an Erdbeben in Kalifornien denkt, fallt einem sofort die Zerstorung von San Francisco im Jahr 1906 ein. Doch das starkste Beben in der aufgezeichneten Geschichte des Bundesstaates fand fast funfzig Jahre fruher statt. Am 9. Januar 1857 riss die San-Andreas-Verwerfung auf einer Lange von uber 350 Kilometern auf. Baume wurden entwurzelt, Flusse flossen ruckwarts, und die Erde hob sich um bis zu neun Meter. Warum kennt heute kaum jemand dieses apokalyptische Ereignis? Die Antwort liegt in der Geografie. Das Zentrum der Zerstorung, nahe dem militarischen Au enposten Fort Tejon, lag mitten in einer kargen Wuste, die zu diesem Zeitpunkt nahezu unbewohnt war. Es gab keine Metropolen, die in Schutt und Asche fallen konnten, und somit kaum Todesopfer und kaum Pressemeldungen. Die unglaubliche Naturgewalt verpuffte buchstablich im Nichts. Dieses Buch beleuchtet die geologischen Fakten und die historischen Augenzeugenberichte dieses unsichtbaren Monsters. Es erzahlt von den wenigen Goldsuchern, Viehtreibern und Soldaten, die zusahen, wie sich die kalifornische Landschaft vor ihren Augen verschob. Verstehen Sie die trugerische Ruhe der San-Andreas-Verwerfung. Das Fort-Tejon-Beben ist nicht nur eine geologische Kuriositat, sondern eine laute Warnung aus der Vergangenheit, wie gewaltig der nachste Riss in der dicht besiedelten Gegenwart ausfallen konnte.