Lange bevor moderne Chemie die Landwirtschaft veranderte, entstand in Europa ein Handel, der Krieg, Hunger und Vergessen miteinander verband. Knochen aus alten Schlachtfeldern und Friedhofen wurden zu Dunger verarbeitet, um die steigende Nachfrage britischer Landwirtschaft zu erfullen. Hinter hoheren Ertragen stand ein Markt, der selbst die Toten in Rohstoffe verwandelte. Im 19. Jahrhundert suchten Handler und Fabrikanten nach Phosphaten fur die industrielle Landwirtschaft. Besonders die Gebiete von Waterloo und andere europaische Schlachtfelder wurden zu Orten wirtschaftlicher Ausbeutung. Zeitgenossische Agrarschriften beschrieben Fortschritt und Effizienz, wahrend Transporte menschlicher Uberreste durch Hafen und Fabriken alltaglich wurden. Die Entstehung moderner Dungemittel zeigte nicht nur technische Innovation, sondern auch den Verlust traditioneller Grenzen zwischen Erinnerungskultur und Industriegesellschaft. Anhand von Handelsstatistiken, Berichten viktorianischer Landwirtschaft und fruhen Industriemanifesten rekonstruiert das Buch die verborgenen Wege dieses europaischen Knochenhandels. Sichtbar wird ein Kontinent, dessen wirtschaftlicher Wandel auf materiellen Spuren vergangener Gewalt beruhte.