Die politischen, okologischen und auch sonst desastrosen Bedingungen lassen den flachendeckenden Triumphzug der Dystopien in den letzten Jahrzehnten kaum verwunderlich erscheinen. Von einem "e;Fruhling der Dystopie"e; sprach eine Rezension literarischer Neuerscheinungen. Auch das Kino populare Genrefilme wie anspruchsvolle arthouse-Produktionen und die Streaming-Plattformen fluten den kulturellen Betrieb mit Serien und Spielen, in denen Uber-lebende um Zugang zu knappen Ressourcen kampfen, sich Pandemien, Zombies oder Au erirdischer zu erwehren haben oder sich in unwirtlich gewordenen Todeslandschaften vor Strahlungen und Fallouts zu schutzen versuchen. Dabei charakterisiert die neuen Dystopien die Verabschiedung der Science Fiction: Nicht auf anderen Planeten oder in ferner Zukunft geht die Welt unter, sondern morgen vielleicht schon heute Abend. Zwar illustriert auch die Dystopie ein worst-case-Szenario, aber von der Apokalypse unterscheidet sie der Verzicht auf einen religiosen Kontext. Eher zeichnen sich Dystopien durch einen ironischen Pragmatismus aus, der fur die Techniken des Uberlebens in feindlichen oder zerstorten Welten drastische Bilder und handfeste, wenn auch erma igte moralische Grundsatze erprobt. In diesem Band wird mit einer Reihe von Beitragen zu Filmen, Romanen und Serien zumeist der jungeren Vergangenheit die asthetische Reichweite und innovative Leistung der Nah-Dystopie vermessen.