April 1945. Die Rote Armee steht vor den Toren der Stadt. Was noch ubrig ist von Berlin - von seinen Straen, seinen Menschen, seinem Sinn -, wird in den nachsten zwei Wochen untergehen. Nicht im Triumph, nicht in einem letzten heroischen Aufbaumen. Einfach untergehen. "e;Berlin"e; ist der Abschluss von Plieviers Trilogie und ihr dunkelster Band. Wahrend Moskau den Beginn und Stalingrad den Wendepunkt erzahlte, erzahlt Berlin das Ende: die letzten Wochen der Reichshauptstadt unter sowjetischem Beschuss, den Zusammenbruch aller Strukturen, das Leiden einer Zivilbevolkerung, die zwischen den Fronten zerrieben wird. Plievier schildert die Agonie der Stadt ohne jede Euphemisierung die Erschie ungen von Deserteuren durch die eigene Seite, die Massenselbstmorde, die Vergewaltigungen, das stumme Sterben in Kellern und Trummern und hort damit nicht auf, wo andere Autoren aufgehort hatten. Das letzte Drittel des Romans, das oft ubersehen wird, ist das eigentlich Unerhorte: Plievier erzahlt weiter, uber das Kriegsende hinaus, bis in die ersten Jahre der sowjetischen Besatzungszone und zum Volksaufstand des 17. Juni 1953. Eine Diktatur endet, eine andere beginnt, und der einfache Mensch steht wieder unten. Geschrieben von einem Mann, der selbst mit der Roten Armee nach Deutschland zuruckgekehrt war, der die Sowjetische Besatzungszone aus eigener Erfahrung kannte und der 1947 in die amerikanische Zone floh, weil er nicht bereit war, eine neue Luge fur eine neue Macht zu schreiben: Berlin ist nicht nur der Abschluss eines literarischen Werkes. Es ist das Zeugnis eines Schriftstellers, der gelernt hatte, keiner Seite zu trauen und der genau das auf jeder Seite seines Romans zeigt. Mit diesem Band schlie t sich das gro e Triptychon: "e;Moskau"e; der Anfang des Wahnsinns. "e;Stalingrad"e; sein Wendepunkt. "e;Berlin"e; sein Ende. Und dahinter, unausgesprochen aber unuberhorbar, die Frage: Wofur?