Ostfrieslandkrimi Doppelband 1001: Morderschatten uber dem Deich / Kustenschwur und ewige SchuldDer Wind pfiff ein Lied vom nahenden Herbst. Es war noch nicht kalt, aber die Luft trug eine feuchte Kuhle in sich, die versprach, dass die Tage der kurzen Armel gezahlt waren. Jan Slieter und ich sa en im Wagen und schauten auf die graue Nordsee, die sich am Deich von Knock brach. In unseren Handen hielten wir Becher mit hei em Kaffee, der nach Pappe und billigen Bohnen schmeckte. Trotzdem war er besser als gar kein Kaffee. "e;Manchmal frage ich mich, ob die Farbe Grau hier erfunden wurde"e;, sagte Jan und nahm einen Schluck. Ich nickte nur. Jo. Was sollte man dazu auch sagen? Er hatte Recht. Der Himmel war ein einziges Grau. Das Wasser war grau. Die Schafe auf dem Deich waren schmutzig-grau. Selbst die Mowen, die gierig uber uns kreisten, schienen heute ihre wei e Leuchtkraft verloren zu haben. "e;Wenigstens ist es ruhig"e;, fuhr Jan fort. "e;Nach dem Zirkus mit der PRIDE OF EMDEN ist ein bisschen Ruhe auch mal was Schones."e;Wieder nickte ich. Der Fall um den Giftmullfrachter lag erst wenige Wochen zuruck. Er hatte uns einen Toten im eigenen Team gekostet und einen komplizierten Ausflug in die Welt der organisierten Kriminalitat beschert. Die Ermittlungen liefen noch, aber fur uns an der Front war es stiller geworden. Die Aktenberge walzten jetzt andere, vor allem unser Kollege Tjark Petersen, der sich durch die Finanzstrome der Mull-Mafia grub wie ein Maulwurf durch fette Erde. Mein Handy summte in der Mittelkonsole. Ich nahm den Anruf entgegen, ohne auf das Display zu schauen. "e;Norden."e;"e;Ubbo, hier ist Menninga."e; Die Stimme unseres Chefs klang so trocken wie immer. Kein Mann der vielen Worte, unser Jonathan D. Menninga. Das schatzte ich an ihm. "e;Ihr seid doch in der Krummhorn unterwegs, oder?"e;