Erzahlen als personliche Befreiung und WiderstandWovon lebt der Mensch?Luft und Wahn. Brot und Fleisch. Traume. Hoffnung. Wovon sonst?Ein turkischer Schriftsteller im Berliner Exil sto t auf eine Zeitungsmeldung uber das Verschwinden eines jungen turkischen Offiziers. Getrieben von einer dunklen Vorahnung kehrt er in seine alte Heimat zuruck, um dem Fall nachzugehen. Was als Nachforschung beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Riese in seien eigene Vergangenheit. Wahrend er tiefer in die Suche eintaucht, wird er mit einer Gesellschaft konfrontiert, die queere Identitaten verdrangt, verleugnet und homofeindliche Gewalt toleriert, statt sie konsequent zu verfolgen. Am Ende erkennt er, dass sein Platz nicht dort ist, wo er herkommt, sondern dort, wo er leben und lieben kann: in Berlin. Barbaros Altug zeichnet ein beklemmendes Bild der politischen und gesellschaftlichen Gegenwart der Turkei und erzahlt zugleich von Exil, Zugehorigkeit und der Suche nach einem Ort, an dem ein selbstbestimmtes Leben moglich ist. Die kunstvoll eingearbeiteten Bezuge auf Thomas Manns Der Tod in Venedig machen den Roman zu einer eindringlichen Reflexion uber Identitat, Erinnerung und Verlust. Die dunkelste Nacht eines langen Winters ist der bislang kraftvollste und tiefgrundigste Roman von Barbaros Altug. [ ] In Altugs Sprache verbindet sich die aus Thomas Manns Literatur vertraute Melancholie mit der Fragilitat des modernen Exils. [ ] Wie schon in seinen fruheren Buchern erzahlt Altug von verletzten Identitaten und verschwiegenen Vergangenheiten von Menschen, die zwischen Erinnerung und Gegenwart nach einem Ort suchen, an dem sie bleiben konnen. Beyza Umut, BirGun Kitap