Studienarbeit aus dem Jahr 2025 im Fachbereich Padagogik - Heilpadagogik, Sonderpadagogik, Note: 1,0, Universitat Koblenz-Landau, Veranstaltung: Geschichte von Integration und Inklusion, Sprache: Deutsch, Abstract: Wie beeinflusste das Konzept der Lebensweltorientierung seit den 1970er Jahren die Inklusionsbestrebungen der Sozialen Arbeit innerhalb der deutschen Sozialpsychiatrie? Mit der Psychiatrie-Enquete von 1975 setzte in der Bundesrepublik Deutschland eine weitreichende Reformbewegung ein, die auf die Uberwindung der bis dahin stark hospitalisierten und ausgrenzenden Versorgung psychisch erkrankter Menschen abzielte. Zentrale Leitlinien dieser Reform waren die Deinstitutionalisierung, der Ausbau gemeindenaher Dienste sowie die Forderung von Teilhabe, Normalisierung und Selbstbestimmung. Diese Impulse fuhrten in der Folge zu einer strukturellen Offnung der psychiatrischen Versorgung und schufen damit auch neue Handlungsspielraume fur die Soziale Arbeit innerhalb der sich entwickelnden Sozialpsychiatrie. In diese Umbruchphase der spaten 70er und fruhen 80er Jahre des letzten Jahrhunderts fiel auch die theoretische Ausformulierung des von Hans Thiersch gepragten Konzeptes der Lebensweltorientierung, welches den Fokus auf die subjektive Alltagswirklichkeit, Ressourcen und Selbstgestaltungsmoglichkeiten der Adressaten von Sozialer Arbeit legte. Anstelle standardisierter, institutionell gepragter Hilfen sollte ein Verstandnis von sozialer Arbeit treten, dass sich an Lebenslagen, biografischen Verlaufen und individuellen Bedurfnissen orientiert. Die Empfehlungen aus der Psychiatrie-Enquete fur einen Umbau der Psychiatrie haben bis heute Gultigkeit. Das Prinzip der gemeindenahen, bedarfsgerechten und umfassenden Versorgung aller psychisch kranken und behinderten Menschen sowie die bedarfsgerechte Koordination aller Versorgungsgebiete hat zu deutlichen Veranderungen in der (sozial)psychiatrischen Landschaft gefuhrt. Gleichwohl ist der Kampf um die Emanzipation und Inklusion psychisch kranker Menschen noch nicht zu Ende.