Lange bevor die Agypter Pyramiden bauten oder die Sumerer die Schrift erfanden, existierte in Anatolien eine bluhende Metropole mit bis zu 10.000 Einwohnern: Catalhoyuk. Doch diese Siedlung widerspricht allem, was wir uber den Aufbau von Stadten zu wissen glauben. Es gab keine Straen, keine Gassen, keine Platze und keine ebenerdigen Turen. Die Hauser aus Lehmziegeln waren wie Bienenwaben direkt aneinandergebaut. Das urbane Leben, der gesamte Verkehr und die Kommunikation fanden ausschlie lich auf den Dachern statt. Um in ihr Haus zu gelangen, mussten die Bewohner durch ein Loch im Dach eine Holzleiter hinabsteigen, das gleichzeitig als einziger Rauchabzug fur das offene Feuer diente. Unter dem Fu boden im Wohnzimmer begruben sie ihre Toten. Diese radikal egalitare, klaustrophobische Architektur offenbart eine Gesellschaft ohne offensichtliche Hierarchien, Palaste oder Tempelanlagen. Sie wirft ein vollig neues Licht auf die sozialen Experimente der menschlichen Fruhzeit am Beginn der neolithischen Revolution. Dieses Werk analysiert die architektonischen und sozialen Zwange des Uberlebens im fruhen Holozan. Die detaillierte Auswertung der Ausgrabungen zeigt, warum diese ungewohnliche stadtische Matrix schlie lich kollabierte und nie wieder kopiert wurde.