Am Beispiel des Gedichts zeigt uns Ales Stegers Essay, was es bedeutet, sich mit allen Sinnen auf Sprache und damit auf ein Gegenuber einzulassen. Wir Menschen sind einem permanenten Sturm aus Informationen ausgesetzt. Doch was und wie horen wir wirklich und was empfinden wir dabei? Welche Rolle konnen Worte, Laute, Gedichte in einer Welt spielen, die wenig von Gedichten halt? In einer Zeit der Digitalitat, die uns einerseits mit Sprachfetzen uberschwemmt, andererseits in unseren Echokammern isoliert, setzt Ales Steger auf die korperliche Unmittelbarkeit des Horens: Beim Sprechen und Horen von Dichtung sind wir mit unserem ganzen Korper gefordert, wir sind "e;ganz Ohr"e;, vergleichbar dem musikalischen Erleben. Vielleicht, so die These des gro en Lyrikers, konnen Gedichte uns in Zeiten von Uberforderung und Isolation einen Weg zu mehr Offenheit, auch dem Anderen gegenuber, weisen.