Die Religion kehrt zuruck in Politik, Kultur und Philosophie - das ist die Signatur unserer Zeit. Apokalyptische Erlosungsvisionen findet man ebenso in der US-amerikanischen Rechten und bei den Tech-Libertaren wie in der postkolonialen Linken und ihrer Faszination fur die Todeskulte des politischen Islam. Man findet sie in russischen Groraumfantasien, aber auch dort, wo die Menschen nach der Befreiung aus autoritaren Verengungen streben, als Sehnsucht nach Erlosung aus einer Welt, die sich Gemeinschaft nur noch in den Kategorien sozialer Netzwerke vorstellen kann. Jens Balzer zeigt in seinem neuen Essay, wie sich autoritares Denken und Religion verschwistern, stellt aber zugleich die Frage, ob Motive wie Demut, Gnade und schlie lich Erlosung uns einen Ausweg zeigen aus den autoritaren Zurichtungen der Gegenwart. Kann religioses Denken Formen von Gemeinschaft stiften, die gegen die falsche Vergemeinschaftung der Menschen helfen, gegen ihre Vereinsamung und Entfremdung in der digitaltechnologisch verwalteten Welt? Kann man wahrhaftes religioses Denken verteidigen gegen den Missbrauch der Religion? Und brauchen wir dieses religiose Denken nicht eigentlich, um wahrhaft erlost zu werden?