Palermo, 1930er-Jahre. Ein grausamer, akribisch geplanter Dreifachmord. Der Tater, ein entlassener Buroangestellter auf Rachefeldzug, ist gestandig. Die Opfer: sein ehemaliger Vorgesetzter, ein hochgeschatzter Parteifunktionar; ein Buchhalter, sein Nachfolger; die eigene Ehefrau. Nach Wiedereinfuhrung der Todesstrafe scheint die Gesetzeslage eindeutig. Fur totale Sicherheit sorgt auch die Regimepropaganda mit der Behauptung, es habe gar keinen Mord gegeben. Tagelang sind die pomposen Bestattungsfeiern das Thema. Der Mordfall kommt vors Schwurgericht in Palermo, wo sich die Turen nur durch Freundschaften offnen, und trifft dort auf den kleinen Richter. Fur ihn ist die Ablehnung der Todesstrafe nicht nur ein unumstoliches Prinzip, sondern ein Akt des Glaubens : Allein mit seinem Gewissen zieht er gegen die Ubermacht des Staates und seine unmenschlichen Gesetze ins Feld, wissend, dass er sich in seinem Urteil der dunkelsten, der verborgensten, eben der hasslichsten Seite seiner selbst stellen muss ; ebenso, dass er damit seine Karriere verspielt. Mit geschliffen ironischer Sprache schildert Sciascia die menschliche Verkommenheit inmitten sizilianischer Lebenswelten und legt im Dialog mit der Weltliteratur den gro en Betrug des faschistischen Systems offen quasi als Alter Ego des kleinen Richters, der sich in moralischer Ubergro e sein ganzlich irrationales Vertrauen in die Menschlichkeit bewahrt. Ein Buch wie ein Vermachtnis.