Hermann Winklers Buch liefert eine streitbare Analyse des tiefgreifenden Wandels der SPO und ihres Verhaltnisses zur Republik. Dabei thematisiert es nicht nur Tagespolitik, Personaldebatten oder parteiinterne Schlagzeilen, sondern setzt tiefer an: bei Werteverschiebungen und Veranderungen in der Bevolkerung sowie der Frage, wie eng Partei, Staat und gesellschaftliche Ordnung in Osterreich miteinander verflochten sind. Der Autor untersucht den politischen Bedeutungsverlust der Sozialdemokratie aus soziologischer, demografischer und wirtschaftspolitischer Sicht. Einzelne politische Proponenten bleiben bewusst im Hintergrund; im Mittelpunkt stehen die gro eren Zusammenhange, insbesondere die langsam, aber stetig zu beobachtenden gesellschaftlichen und klassenspezifischen Verschiebungen. Zugleich offnet das Buch den Blick nach au en. Es zeigt, wie sich die innere Entwicklung des osterreichischen Parteien- und Proporzsystems langst nicht mehr isoliert erklaren lasst. Der Einfluss der Europaischen Union, internationale Verwerfungen, geopolitische Umbruche und neue gesellschaftliche Erwartungshaltungen wirken tief in die politische Ordnung des Landes hinein. Damit gerat das Buch nicht nur zur Analyse einer Partei, sondern zu einer Diagnose der Republik. Der Autor richtet sich an ein breites, politisch interessiertes Publikum und hat sein Werk im klar gegliederten Wei buch-Format verfasst. Fur Mitglieder und Sympathisanten der SPO ist es ebenso aufschlussreich wie fur deren politische Gegner, fur Beobachter der osterreichischen Innenpolitik und fur alle, die die tektonischen Verschiebungen des Parteiensystems verstehen wollen. Ein politisches Sachbuch mit Relevanz, Debattenpotenzial und einem ungewohnlich weiten Blick auf die verborgenen Mechanismen von Partei, Staat und Macht.