1. Die Aufgabe der Wirtschaftswissenschaft Der Mensch kommt mit verschiedenen Phänomenen in Berührung, deren Wesen er nicht ohne weiteres ergründen kann. Die Wissenschaften ver suchen gemeinsam die verschiedenen Ereignisse zu erklären. Dies bedeute"t, daß versucht wird, die Erscheinungen logisch zu ordnen und Zusammen hänge zwischen den einzelnen Fakten offenzulegen" Jede einzelne Wissenschaft betrachtet gewisse Gegenstände und Erschei nungen aus einem besonderen Blickwinkel. So untersucht die Biologie z. B. das Phänomen "Mensch" auf andere Weise als etwa die Psychologie. Die Beiträge, die einzelne Wissenschaften zu unserem Weltbild leisten, sind deswegen immer insoweit begrenzt, als die Einblicke, die eine Wissen schaft zu geben imstande ist, nicht zugleich ein totales Verständnis der Er scheinung sein können. Stets wird derjenige Aspekt schlecht beleuchtet, der im Gebiete der tangierten Wissenschaft liegt. Wissenschaft treiben bedeutet, immer und immer wieder die Frage ,Warum?'' zu wiederholen. Wenn jemand, ausgehend von einem willkürlichen Problem, fortwährend diese Frage stellen würde, müßte er alsbald die Gebiete einer ganzen Anzahl von Wissenschaften betreten. Aus dieser Tatsache ergibt sich, daß jede einzelne Wissenschaft sich auf die Analyse spezieller Probleme beschränkt. Außerdem ist von einem gewissen Punkt ab jede Wissenschaft mit dem Erreichten zufrieden und verfeinert die möglichen Erklärungen nicht durch weiteres Formulieren der Frage ,Warum''.
Das vorliegende Lehrbuch verfolgt die Absicht, dem Studierenden der Volkswirtschaftslehre auf moderne Weise eine Einführung in Grundgedanken der Nationalökonomie zu geben. Ich habe versucht, analytische Urteile von solchen politisch-normativer Natur sorgfältig zu trennen. Großen Wert habe ich darauf gelegt, den Leser in das moderne, vor allem in der angelsächsischen Literatur gepflegte, Denken in Modellen einzuführen. Ich meine, daß insbesondere für den heutigen Studierenden der Wirt schaftswissenschaften die Erkenntnis der Relativität der Ergebnisse einer wissenschaftlichen Analyse von den zugrundeliegenden Annahmen von großer Bedeutung ist. Insofern kann das Lehrbuch auch als ein Beitrag zur Demokratisierung der wissenschaftlichen Diskussion verstanden werden. Der erste Teil ist als Einführung recht einfach gehalten, bereitet jedoch auf die nuancierte Problematik des zweiten Teiles vor; besonders geeignet erscheint uns dieser erste Teil als Studienhilfe für Studierende der ersten Semester sowie für Juristen und andere Studierende, die die Wirtschafts wissenschaften nur im Nebenfach betreiben. Es ist mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle den Professoren R. RICHTER, H. SCHERF, E. SCHNEIDER, A. STOBBE, W. VOGT und H. J. VOSGERAU zu danken, die mir während einiger Studienaufenthalte m Deutschland An regungen bzw. Hilfen gegeben haben. Insbesondere möchte ich an dieser Stelle Herrn Professor A. E. OTT herzlich für hilfreiche Vorschläge danken. Ebenfalls danke ich Herrn DR. SEITZ für sein Interesse an meiner Arbeit. Das Buch wurde von Herrn Diplom-Volkswirt P.HUBER ins Deutsche übertragen; er hat außerdem einige Abschnitte deutschen Verhältnissen angepaßt. Ich möchte zum Ausdruck bringen, daß dIes m.E. in ansprechen der Weise gelungen ist.