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Wie alt sind handschriftlich überlieferte Überschriften zu antiken und spätantiken lateinischen Gedichten? Warum sind sie entstanden und wer hat sie formuliert? Mit dieser Fragestellung betritt die Autorin philologisches Neuland: Ihr Interesse zielt auf die Organisation antiker Texte.
Es zeigt sich, daß Überschriften zur Gliederung von Gedichtsammlungen und zur Vorinformation des Lesers entgegen herrschenden Ansichten weder im Mittelalter von Schreibern noch in der frühen Neuzeit erfunden worden sind. Vielmehr lässt sich ihre Entwicklung bereits in Antike und Spätantike beobachten. Die in mittelalterlichen Handschriften tradierten Überschriften zu lateinischen Gedichtsammlungen (u.a. Horaz, Ovid, Martial, Commodian, Ausonius, Luxurius) sind zum Teil authentisch, zum Teil in der Spätantike hinzugefügt worden. Sie entsprechen in Funktion und sprachlicher Form Buchtiteln und anderen textstrukturierenden Mitteln wie Inhaltsverzeichnis oder Kapitelüberschrift. Deren, für Leseverhalten und Buchgeschichte wichtige Entwicklung ist ebenfalls Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.
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Der Mailänder Diakon Ennodius (er wurde ca. 513 Bischof von Pavia) hat ein vielfältiges Werk hinterlassen, das zunächst vorgestellt wird (u.a. christliche Hymnen und einen Panegyricus auf Theoderich). Die bisher übersehene Tatsache, dass er früher als Redner und Dichter aufgetreten ist und eventuell auch Lehrer war, kann erklären, warum er die Angehörigen der römischen Oberschicht so intensiv dazu auffordert, sich um Bildung zu bemühen, und dass er sich als Tutor um einige Jungen kümmert. Dabei spricht er von einer Spannung zwischen seiner Tätigkeit als Diakon und seiner Begeisterung für die eloquentia.Seine Briefe an Verwandte, an weltliche und kirchliche Amtsträger (z.B. den Papst) werden in die Tradition der Gattung eingeordnet und mit denen anderer Epistolographen verglichen. Bisher war nicht aufgefallen, dass er sich je nach Adressat und Situation in ganz verschiedenen Rollen präsentiert: nur selten als demütig-frommer Diakon, viel häufiger als ungeduldiger und vorwurfsvoller Freund bzw. Verwandter. Anders als bisher angenommen ahmt er nicht die freundlichen Briefe des Symmachus nach, sondern gibt sich häufig geradezu wie ein Anti-Symmachus, wobei er mit den Konventionen und Motiven der Gattung „Brief“ sehr selbstbewusst und häufig in überraschender Weise umgeht.
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Declamationes, das sind Übungsreden über fiktive Themen im Rhetorikunterricht, durch die der Schüler auf seine etwaige spätere Rednertätigkeit in der Politik, vor allem aber auch vor Gericht vorbereitet werden soll. Musterbeispiele solcher Reden konnten der Unterhaltung eines größeren Publikums dienen. In dieser Form rückten sie in die Nähe anderer Prunkreden, die z.B. der Feier einer besonderen Gelegenheit oder Würdigung einer zu ehrenden Person diesen sollten. Der vorliegende Sammelband dokumentiert den aktuellen Forschungsstand zu verschiedenen Mustern der "klangvollen Rede" von der Antike bis zur Neuzeit und ist somit ein Beitrag für eine fächerübergreifende Diskussion zum Gattungsbegriff der declamatio, aber auch zur Geschichte der Rhetorik insgesamt.