Seit ihrer Konstituierungsphase Anfang der siebziger Jahre hat Gerhard Schneider die "moderne" Geschichtsdidaktik entscheidend begleitet, geprägt und gestaltet. Stets ging es ihm dabei um die Weiterentwicklung geschichtsdidaktischer Theorie und Praxis. Sein 65. Geburtstag ist darum Anlass, das weite Feld seiner Forschungsschwerpunkte (Geschichte der Geschichtsdidaktik, Geschichte im Unterricht, Geschichtskultur und Erinnerungskultur, außereuropäische Perspektiven) erneut zu vermessen und neue Perspektiven auf Geschichte in Unterricht, Wissenschaft und Alltagswelt zu zeigen.
Der Paradigmenwechsel der Kompetenzorientierung erfordert neue Forschungen zu den Prozessen historischen Denkens und Lernens und zu den komplexen Zusammenhängen zwischen Akteuren, Medien und Konzepten des Geschichtsunterrichts. Welche Vorstellungen haben Jugendliche von »gelungenem Geschichtsunterricht«? Wie verhalten sich Fachwissen, fachdidaktisches Wissen und Professionswissen von Lehrkräften zueinander? Welche Chancen birgt die Archäologiedidaktik? Vertiefende Analysen widmen sich einzelnen Aspekten des Unterrichtsgeschehens. So beleuchten die Beiträgerinnen und Beiträger aus verschiedenen Blickwinkeln etwa auch die Rolle der Sprache im Fach Geschichte. Nicht zuletzt gilt es, das Spannungsfeld der normativen Ansprüche zu vermessen, denen der Geschichtsunterricht ausgesetzt ist.The paradigm shift towards the focus on competence training calls for new research regarding the processes of historical thinking and learning as well as the complex interaction between players, media and concepts of history as a school subject. What concepts do teenagers have of a "successful history lesson"? How do expertise, didactic methodology and professional knowledge of teachers interact? Which possibilities does a didactic of archeology offer? Detailed analyses focus on separate aspects of the teaching process. However, several internal interrelations arise between the research projects. For instance, the function of language in history lessons is highlighted from multiple perspectives. Not least, the fields of conflicts of normative claims which history as a school subject is exposed to need to be charted.
Georg Simmel hat innerhalb seines philosophischen Werks eine eigene Religionstheorie entworfen, die auf die Begründung einer undogmatischen und auf die Subjektivität konzentrierten Gestalt von Religion zielt. Ausgehend von Simmels Kant-Rezeption rekonstruiert die Verfasserin die Prinzipien dieser Religionsphilosophie, die ihre spezifischen Pointen durch die Aufnahme grundlegender Einsichten der liberalen Theologie von Friedrich Schleiermacher, Albrecht Ritschl und Adolf von Harnack gewinnt. Die Autorin arbeitet heraus, dass Simmel auf dieser Grundlage die Frage nach der Bedeutung der Religion in der modernen Welt beantwortet und mit dem Begriff der Seele eine Kategorie in den Vordergrund stellt, die im theologischen und metaphysischen Diskurs der Gegenwart wieder entdeckt wird.