Im 8. und 9. Jahrhundert erlauben die schriftlichen und archäologischen Quellen für den nördlichen Bodenseeraum erstmals eine annähernde Rekonstruktion der herrschaftlichen, kirchlichen und agrarischen Verhältnisse. Mit Vertretern des regionalen Adels und der karolingischen Königsherrschaft, den Klöstern St. Gallen und Reichenau und nicht zuletzt dem Bischof von Konstanz werden die wichtigen politischen und ökonomischen Akteure fassbar, während die bäuerlichen Untertanen als Hörige und Leistungspflichtige in Erscheinung treten. Der Tagungsband stellt mit Beiträgen ausgewiesener Experten den Forschungsstand sowohl der Historiographie und der Namenskunde wie auch der Archäologie interdisziplinär zur Diskussion.
Im Anschluss an einen Sammelband zum Spätmittelalter und der beginnenden Frühen Neuzeit nimmt der vorliegende Tagungsband Oberschwaben als Wirtschaftslandschaft vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert in den Blick. Ausgewiesene Fachleute untersuchen die grundlegenden Entwicklungslinien des Raumes zwischen Lech und Schwarzwald, Schwäbischer Alb und Bodensee in Gewerbe, Handel und Agrarwirtschaft, seine ökonomischen Verbindungen in die Nordschweiz, nach Vorarlberg und bis in den transalpinen Mittelmeerraum und das Wirtschaftshandeln der wesentlichen Akteure in Gestalt von Adel, Klöstern, Städten, Bauern wie auch der landjüdischen Bevölkerung. Ein besonderes Interesse gilt den wirtschaftlichen Folgen der einschneidenden Krisen und Umbrüche der Zeitepoche mit Dreißigjährigem Krieg, Säkularisation und Mediatisierung, der sog. Bauernbefreiung und schließlich der beginnenden Industrialisierung, die Oberschwaben mit Verspätung erfasst.
Im Anschluss an Publikationen zum Spätmittelalter und zur Frühen Neuzeit nimmt der vorliegende Tagungsband die Wirtschaftsgeschichte Oberschwabens von 1850 bis zur Gegenwart in den Blick. In Beiträgen ausgewiesener Fachleute werden die prägenden Charakteristika des Wirtschaftsraums vorgestellt mit einer bis ins 20. Jahrhundert bestehenden Dominanz einer marktorientierten Landwirtschaft, einer zunächst auf das Schussenbecken, den Bodenseegürtel und den Ulmer Raum beschränkten inselhaften industriellen Entwicklung und schließlich einer in der Breite erst nach 1950 einsetzenden Industrialisierung der Region, die zu einem der wirtschaftsstärksten Räume in Deutschland aufsteigt.