Ende des 18. Jahrhunderts wird mit der Entdeckung Des Menschen zugleich auch Der Mensch als Medium von Natur und Kultur installiert. Die neue Menschmaschine, um Medium von Natur sein zu können, erfährt ihre Ausdifferenzierung nach zwei Seiten hin: Physiologie und Semiotik werden die neuen Grundlagen ihrer Bestimmung. An die Stelle der mechanistischen Metaphern vom Räder- und Uhrwerk der Maschine Mensch treten beim Medium Mensch nachrichtentechnische Kategorien der Telekommunikation. Mit der Mediatisierung Des Menschen geht nämlich seine nachrichtentechnische Beschreibung einher, was zur Folge hat, daß sein Artikulieren nicht mehr allein auf Lautsprache begrenzt begriffen wird, sondern auch die Beredsamkeit des Leibes Zeichenfunktion erhält. Die in dem Band versammelten Studien untersuchen zentrale Etappen dieser diskursiven Neuformierung Des Menschen auf Grundlage von Nachrichtentechnik und Semiotik, die als blinder Fleck der geistes- und naturwissenschaftlichen Theoriebildung des 19. und 20. Jahrhunderts zugrundeliegt.
Georg Christoph Tholen zählt zu den Wegbereitern der deutschsprachigen Medienwissenschaft, die er seit ihren Anfängen in den 1980er Jahren mitgeprägt und für kritische Interventionen aus den Feldern der Philosophie, Kulturtheorie, Soziologie und Psychoanalyse offen gehalten hat. Seine Arbeiten drängen stets darauf, die Schnittstellen der Medien (im übertragenen wie im wörtlichen Sinne) offenzulegen und nicht nur dem Realen, sondern auch dem Symbolischen und dem Imaginären der Technik nachzugehen. Freunde, Kollegen und Schüler gratulieren dem Jubilar zum 65. Geburtstag mit einer Reihe von Beiträgen, deren thematische und theoretische Vielfalt zugleich die Breite von Tholens eigener Forschungstätigkeit dokumentiert.