Ein großartiger Roman über die Frage, woraus Erinnerung nach dem Verschwinden gemacht ist. Sültzrather handelt von einem Zimmermann aus Aibeln in Südtirol. Nach dem Sturz vom Baugerüst und der folgenden Querschnittslähmung beginnt der Protagonist Vitus Sültzrather zu schreiben. Es ist ein Schreiben gegen das Vergessen: Wie besessen, akribisch genau, vertraut er die Details, die nur er wissen kann, dem Papier an. Doch dann beginnt er das, was er aufgeschrieben hat, wieder zu vernichten, Seite für Seite abkratzend, abschabend, ein Vernichtungsfeldzug, der von seiner Umgebung, seiner Schwester, der Zugehfrau und deren Tochter nicht gestoppt werden kann. Mit hoher Kunstfertigkeit passt Oberhollenzer seinem Protagonisten eine Erinnerung auf den Leib.
Erinnerung an ein totgeborenes Kind in den Wirren der 1920er-Jahre im Südtiroler Aibeln.Im Zentrum von Zuber stehen polizeiliche Willkürmaßnahmen aus der Zeit des Faschismus, die wie eine Naturkatastrophe über den kleinen Südtiroler Ort Aibeln hereinbrechen. Die Ereignisse wirken traumatisch nach. Man redet nicht über die eigene Scham, die Ohnmacht, die hilflosen Versuche, sich zu wehren. Es bleibt ein Stachel im Gedächtnis des Dorfes. Das Buch handelt aber auch davon, wie das Schweigen gebrochen werden kann – durch Freundschaft.Josef Oberhollenzer geht in seinem neuen Roman über das fiktive Aibeln und dessen großen Schriftsteller Vitus Sültzrather zurück in die Zeit zwischen den Kriegen, zurück in die Kindheit Sültzrathers und die Zeit vor seiner Geburt. Erst nach und nach setzen sich die Puzzleteile zu einem Bild zusammen – eine ungewöhnliche Erkundung der jüngeren Südtiroler Geschichte.
"Denn wessen Leben habe sich schon so zugetragen, wie von einem selbst erzählt?"Der Regenschirmfallschirm, die Blütenstaubsammelmaschine, das seien allesamt Erfindungen vom Prantner Kaspar, dem ehemaligen Knecht auf dem Kalberhof. So jedenfalls habe es Cäcilia dem Geschichtensammler F. erzählt. Im Stimmengewirr der Dorfbewohner wird die wundersame Geschichte des sanftmütigen Mannes erinnert: wie er durch eine List den Kriegen entkam, wie er gemeinsam mit seinem Freund Vitus Sültzrather die Herunterholung der Kirchturmuhr verursachte, wie er am Ende in den Bergen verschwand. Akkurat und amüsant erzählt Josef Oberhollenzer in Möglichkeiten und ist damit vermutlich näher an der Südtiroler Vergangenheit, als uns lieb ist: "Wirkliche Menschen? Oder erschriebene? Da gibt''s in der Erinnerung keinen Unterschied; sind alle gleich wirklich, gleich erfunden."• Neue Einblicke in das Leben des berühmtenSchriftstellers Vitus Sültzrather• Wo ist das Joch verblieben?• Und vor allem: Wo zum Teufel ist der PrantnerKaspar?
Berggipfelattentate, Gletscherunfälle oder Morde nach der Fibonacci-Folge?Werner Sellemond ist kein einfacher Mann. Zwischen Wandern am Kronplatz statt Nussbananeneis, dem mythischen Volk der Fanes und turbulenten Liebesdramen stolpert er durch das Südtirol der 1990er-Jahre in die nicht minder abstruse Gegenwart. Diese ist geprägt von der Heimsuchung durch Touristen, die zuhauf in den Bergen verschwinden. Waren die kuriosen Unfälle auf dem Schneebigen Nock oder dem Schwarzenstein etwa doch Morde? Und was geschah auf dem Hornspitz? Mit dem ironischen Erzähler Franz Richard begibt sich Werner auf irrwitzige Erkundungs- und Verbrecherwanderungen. Abgedreht und böse, provokant und absurd witzig.Wie mit Menschen leben, die deine Heimat zu sehr lieben?